Wanderprediger Maurer wird erhört

von Redaktion

REGIONALLIGA Rabihic verhilft Türkgücü zum Sieg gegen seinen Lieblingsgegner Garching

VON MATTHIAS HORNER

München – Es war deutlich enger geworden als erwartet. Als souveräner und seit Mitte September ungeschlagener Spitzenreiter empfing Türkgücü am Samstag das zuvor achtmal in Folge sieglose Schlusslicht VfR Garching. Am Ende aber stand doch ein hart erkämpfter 3:1-Erfolg, das Acht-Punkte-Polster der Türken an der Tabellenspitze wurde gewahrt. Während der Tabellenletzte dabei trotz der Niederlage eine starke Leistung ablieferte, musste sich mit dem SV Heimstetten ein weiterer Abstiegskandidat aus der Region München bei der Reserve von Zweitligist Greuther Fürth geschlagen geben: 0:2 hieß es am Ende.

Türkgücü – VfR Garching 3:1 (1:0). – Nach der neunten Partie hintereinander ohne Niederlage bestand die größte Sorge von Türkgücü-Coach Reiner Maurer darin, „dass unser Vorsprung bis zur Winterpause schmilzt“. Wovon freilich nicht auszugehen ist. Zeigte der Tabellenführer doch auch im unangenehmen Duell mit dem Schlusslicht aus Garching, dass er zwar nicht die Gegner reihenweise an die Wand spielt, sich aber sehr wohl gegen Widerstände durchzusetzen versteht. Nachdem Kasim Rabihic in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs einen Freistoß aus gut 20 Metern sehenswert zur Führung verwandelt hatte, glichen die Garchinger mit einem noch viel schöneren Tor aus. Von der Strafraumkante nahm Innenverteidiger Philipp Walter einen Freistoß Valentin Michelis direkt ab und versenkte ihn unhaltbar für Schlussmann Franco Flückiger im Kreuzeck des Türkgücü-Tores (62.). „Drei, vier Minuten“, so Maurer, hätte seine Mannschaft anschließend gebraucht, bis sie ein „Hallo-Wach-Effekt“ zurück in die Partie und damit schließlich auf die Siegerstraße brachte: Am Tag der spektakulären Szenen nagelte der abermals herausragende Benedikt Kirsch einen Distanzschuss an den Pfosten (66.). Nur wenig später bediente der 23-jährige Kirsch Angreifer Rabihic, der zu seinem zweitem Streich und der erneuten Türkgücü-Führung vollstreckte (70.).

Dass der 26-jährige Rabihic „am liebsten jede Woche gegen Garching spielen“ würde, wie er lachend bekannte, lag aber nicht nur an seinem dritten Treffer zum Endstand nach feiner Vorarbeit von Kapitän Yasin Yilmaz (78.). Erst einmal zuvor waren Rabihic drei Tore in einem Regionalligaspiel geglückt: Beim 3:3 seines vormaligen Clubs, dem FC Pipinsried, am letzten Spieltag 2017/18 gegen – den VfR Garching. „Hauptsache drei Punkte“, bilanzierte er anschließend trocken, zudem habe man damit die 0:2-Hinspielniederlage „gut gemacht“. Sein Trainer hingegen übte sich nach dem Abpfiff in einem komplizierten Balanceakt. Auf der einen Seite stellte Maurer demonstrativ seine Zufriedenheit zur Schau. Die beiden letzten Treffer seien „extraklasse herausgespielt“ gewesen, was für den 59-Jährigen eine ungewohnte Huldigung seiner Mannschaft darstellt. „Solche Spiele“, erläuterte er, „in die du als klarer Favorit gehst, sind immer schwer“. Womit er in seine Rolle als Mahner schlüpfte. Genervt bezeichnete Maurer sich selbst „als Wanderprediger“, da er es derzeit als zusätzliche Aufgabe betrachte, „diese Selbstverständlichkeit, mit der in unserem Umfeld davon ausgegangen wird, dass wir eh gewinnen, nicht an die Mannschaft herankommen zu lassen“. Zwei Spiele sind es noch bis zur dreimonatigen Winterpause, am kommenden Samstag steht dabei zunächst die für Maurer sehr spezielle Partie bei seinem Heimatclub FC Memmingen auf dem Programm.

Auf der Gegenseite durfte Garchings Sportdirektor Ludwig Trifellner, der nach dem Abgang Philipp Bönigs auch das Traineramt übernahm, ebenfalls mit seiner Mannschaft zufrieden sein. „Wir haben heute alles rausgehauen, was zurzeit in uns steckt“, so der 61-Jährige. In der Tat hatten die Gäste beherzt und verbissen Paroli geboten und sich am Ende schlichtweg der größeren individuellen Klasse des Gegners geschlagen geben müssen. „Leidenschaft und Willen“ hatte Trifellner gesehen, damit habe man „gezeigt, dass die Mannschaft funktioniert“. Spätestens bis zu Beginn der Winterpause möchte er seinen eigenen Nachfolger präsentieren, nach zuletzt neun sieglosen Spielen aber wird die Aufgabe wöchentlich schwieriger.

Greuther Fürth II – SV Heimstetten 2:0 (1:0). – Selbst der Einsatz von Kapitän und Torjäger Lukas Riglewski, der wegen muskulärer Probleme unter der Woche nicht trainieren konnte, bewahrte den SVH nicht vor der sechsten Niederlagen in den jünsgten sieben Partien. Riglewski, der mit zwölf Saisontreffern die Torjägerliste der bayerischen Regionalliga anführt, spielte zwar 90 Minuten durch, den beiden Gegentreffern (40., 51.) aber hatte der SVH am Samstag dennoch wenig entgegenzusetzen. Schmallippig erklärte SVH-Coach Christoph Schmitt, dass „wir heute keine gute Leistung abgeliefert haben“. In den beiden letzten Begegnungen des Jahres trifft Heimstetten nun auf Wacker Burghausen und den TSV Rain/Lech. Beide haben nur zwei Punkte mehr zu Buche stehen als der SVH.

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