Nach dem Crash zwischen Sebastian Vettel und Charles Leclerc herrscht bei Ferrari Alarmstufe Rot. Der teaminterne Konflikt hat in der Formel 1 eine lange Tradition.
Alain Prost und Ayrton Senna (McLaren): Die Mutter aller Teamduelle: Auf der einen Seite der berechnende Prost, auf der anderen der impulsive Senna. Beide reden schon lange kein Wort mehr miteinander, als ihr Streit 1989 beim Großen Preis von Suzuka eskaliert. Es geht um die Vorentscheidung im Kampf um die WM-Krone: Senna muss gewinnen, um seine Chancen zu wahren, und attackiert den in Führung liegenden Prost. Doch der macht die Tür zu, es kommt zur Kollision. Prost steigt aus, Senna fährt weiter, gewinnt und wird disqualifiziert. Prost holt seinen dritten WM-Titel und flüchtet zu Ferrari.
Nelson Piquet und Nigel Mansell (Williams): Auf der Strecke gehen sich der Brasilianer und der Brite meistens aus dem Weg – nicht aber in der Öffentlichkeit. Piquet macht keinen Hehl aus der persönlichen Abneigung und bezeichnet Mansells Frau als „hässlich“. Einmal klaut er auch sämtliches Klopapier von der Teamtoilette, als Mansell Durchfall hat.
Gilles Villeneuve und Didier Pironi (Ferrari): Sie liefern sich 1982 in Imola ein legendäres Rennen mit zahlreichen Überholmanövern, die die Teamleitung dazu veranlasst, ein Schild mit der Aufschrift „SLOW“ an die Boxenmauer zu hängen. Pironi ist es egal, er bricht den Nichtangriffspakt und zieht kurz vor Schluss an dem Kanadier vorbei. Villeneuve spricht von einem gebrochenen Versprechen. Pironi hält dagegen, er sei Rennfahrer und habe nichts zu verschenken. Villeneuve schwört: „Mit dem rede ich kein Wort mehr.“ Zwei Wochen später rast der Kanadier im Abschlusstraining von Zolder in den Tod.
Alain Prost und Nigel Mansell (Ferrari): Gestählt vom Duell mit Senna sucht Prost auch bei Ferrari seine Vorteile. Konkurrent Mansell hat ihn 1990 in Portugal nach einem missglückten Manöver fast in die Boxenmauer gerammt, danach betreibt der Franzose geschickt Politik. Mansell behauptet, Prost habe das Team gegen ihn aufgebracht. Resultat: Absolute Funkstille.
Michael Schumacher und Eddie Irvine (Ferrari): Zwischen 1996 und 1999 sind Schumacher und Irvine „Kollegen“ – und sticheln bei jeder Gelegenheit gegeneinander. Irvine macht dabei die schlechtere Figur, weil Schumacher ihn in Grund und Boden fährt. Die Rolle als Wasserträger schmeckt dem Iren nicht, er hat sie bis heute nicht verwunden. Nach Schumachers Comeback bei Mercedes lästert er: „Michael ist wie eine Cola ohne Kohlensäure.“
Sebastian Vettel und Mark Webber (Red Bull): Die „Bullen“ geraten immer wieder aneinander, in der Türkei 2010 muss Vettel seinen Wagen nach einem Angriff auf den führenden Webber mit Unfallfolge abstellen. Vettel zeigt Webber den Vogel. Beim Saisonfinale 2012 kracht es in Sao Paulo, als, wie es heißt, „alle für Vettel gefahren sind – außer Webber“. In Malaysia 2013 zeigt Webber Vettel den Mittelfinger, um seinem Ärger nach dessen Missachtung der Stallregie Luft zu verschaffen. Wenig später kündigt der Australier seinen Abschied an.
Nico Rosberg und Lewis Hamilton (Mercedes): Die beiden kennen sich seit Teenager-Tagen im Kart, gelten sogar als Freunde. Damit ist es schnell vorbei, als Hamilton 2013 zu Mercedes kommt und Rosberg sich bereits im zweiten Rennen in Malaysia per Stallorder hinter dem Ex-Weltmeister einreihen muss. Es entwickelt sich ein knallhartes Duell, Rosberg will nicht immer zurückstecken. 2014 in Belgien und 2016 in Spanien eskaliert der Krieg der Sterne, es kommt zu zwei spektakulären Unfällen.
Sebastian Vettel und Charles Leclerc (Ferrari): Vettel, der Ex-Weltmeister und die eigentliche Nummer eins der Scuderia, sowie Leclerc, aufmüpfiger Jungspund, schenken sich seit Beginn dieser Saison nichts. Zunächst beschränkt sich die Rivalität auf kleinere Sticheleien und Seitenhiebe, immer wieder hat das Team zudem Mühe, das Duell der beiden auf der Strecke in geregelten Bahnen zu halten. In Brasilien funktioniert das nicht mehr. Weder Vettel noch Leclerc geben nach, der Zweikampf endet im Fiasko. Der Unfall dürfte noch lange nachwirken.