In Brasilien krachte es jetzt richtig zwischen Platzhirsch Sebastian Vettel, 32, und Herausforderer Charles Leclerc, 21. Kurz vor Ende des Rennens wollte der Deutsche den Angriff Leclercs kontern. Vettel zog neben ihn. Mit der Erwartung, dass der junge Raufbold nachgeben würde. Tat der aber nicht. Das linke Hinterrad Vettels und das rechte Vorderrad Leclercs berührten sich. Vettels Reifen war platt, Leclercs Radaufhängung kollabierte. Rennen und Punkte waren futsch.
Teamchef Mattia Binotto, 50, hat nun ein Problem. Wie ratlos er und seine Mitarbeiter aber sind, zeigten die Reaktionen danach. Ferrari änderte das Prozedere der Pressekonferenz nach dem Rennen. Binotto versuchte, sich alleine zu rechtfertigen. Die Fahrer waren nicht da. Krisenmanagement sieht anders aus.
Binotto wollte keine Schuldweisungen machen und erst zu Hause in Maranello mit den Raufbolden reden. Wie so oft. Gespräche der beiden gab es immer mal wieder. Nach Monza, als Leclerc seinem ungeliebten Kollegen den Windschatten verweigerte. In Sotschi, als sich Vettel rächte und Leclerc nicht wie abgesprochen die Führung zurückgab. In Singapur, als Ferrari eine Boxenstrategie wählte, die Vettel zum Sieg verhalf.
2020 will Ferrari Weltmeister werden. Das geht aber unter diesen Voraussetzungen nicht, wenn sich ihre Fahrer ständig den Nachtisch vom Teller klauen wollen. Macht der Teamchef für nächstes Ferrari-Jahr keine klare Ansage, wer der Nummer-1-Pilot sein wird, wird ihm das als Schwäche ausgelegt. Er hat keine Wahl. Er muss den jungen Monegassen zum neuen Michael Schumacher machen, der den Titel bringen soll, und Vettel zu seinem Helfer.
Leclerc ist jung, beliebter als Vettel bei Italiens emotionaler und mächtiger Presse und auch bei den meisten im Team. Vettel aber würde die Helferrolle nie akzeptieren. Eher hört er auf. Deshalb ist trotz Vertrages alles möglich, was die Zukunft des Heppenheimers betrifft.
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