Topf eins, Topf zwei – Löw ist es egal

von Redaktion

Worum es beim letzten Länderspiel des Jahres noch geht: Um Geld, Image und die Tabelle

VON GÜNTER KLEIN

Frankfurt – Deutschland – Nordirland heute Abend (20.45 Uhr, RTL) ist ein Millionenspiel. Tatsächlich hängt die Prämie, die die Nationalmannschaft für die Qualifikation zur EM 2020 bekommt, davon ab, welchen Platz sie in der Gruppe belegt. Zweiter, wonach es lange aussah: zwei Millionen Euro. Erster, was der Stand ist, seit die Niederlande am Samstag in Belfast Punkte liegen ließen: drei Millionen. Die Prämie inklusive Bonus-Million wird nach einem Schlüssel, der die Anzahl der Einsätze berücksichtigt, unter allen Akteuren aufgeteilt. In der Welt des hochdotierten Profifußballs verändert das die Vermögensverhältnisse nicht wesentlich – doch wie der frühere FC-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld empfahl: Wenn man es in hochwertige Stereoanlagen umrechnet, wissen die Spieler (oder deren Frauen) die Extraeinnahme sehr zu schätzen.

Erster in der Quali-Gruppe zu werden, bringt ansonsten nicht zwangsläufig einen greifbaren Vorteil für das EM-Turnier. Bei einem Sieg gegen Nordirland wird die deutsche Mannschaft in der UEFA-Gesamttabelle so hoch gerankt sein, dass sie als einer von sechs Gruppenköpfen gesetzt wird. „Aber Lostopf eins, Lostopf zwei, das ist eigentlich wurscht“, sagt Joachim Löw, nachdem er am Montagvormittag mit moduskundigen Leuten beim DFB „die Auslosungsgeschichte auseinandergenommen“ hat. Wäre man in Topf eins, würde das „nicht vor einem starken Gegner bewahren, da Portugal und Kroatien in Topf zwei sind.“ Aus Topf drei begegnet er „Schweden, Finnland, Norwegen“ mit Respekt – obwohl man Norwegen noch in der WM-Qualifikation 6:0 weggeschossen hat.

Toni Kroos sieht im Gruppensieg „keinen Vorteil für die Auslosung“. Er bezieht sich auf die Erfahrung aus der Champions League mit Real Madrid: „In den drei Jahren, in denen wir den Cup gewonnen haben, waren wir in der Gruppenphase Zweiter.“ Die Qualifikation vor den Niederlanden abzuschließen „wäre vor allem etwas fürs Gefühl“, so der Weltmeister von 2014.

Was Kroos ganz recht wäre und wo das Spiel gegen Nordirland für ihn Sinn ergibt: „Dass wir uns einspielen.“ Und dass auch die ein wenig Praxis bekommen, auf die es ankommen könnte, wenn weitere Spieler ausfallen. Löw will zum Jahresabschluss nicht alles auseinanderreißen und das Mittelfeld unverändert belassen mit Kroos, Kimmich und Gündogan, jedoch auch Spielzeiten verschenken. Ein Debüt ist überfällig: das von Niklas Stark, dem Herthaner, der seit März im Kader der Nationalmannschaft steht, durch kuriose Zwischenfälle (letztens: Kollision mit einem Hoteltisch) aber immer an einer Mitwirkung im Spiel gehindert wurde. Derzeit muss er die gebrochene Nase mit einer Maske schützen. Löw sagt: „Meine Idee geht dahin, ihn reinzubringen – aber in erster Linie geht es um das Spiel und nicht um Einzelne.“ Da er um die Lufthoheit der Nordiren weiß, braucht er in der Abwehr „Leute, die auch zum Kopfball gehen können“.

Die Fans sollen den Eindruck bekommen, ein ernsthaftes Match zu erleben und nicht ein reines Schaulaufen. Der DFB steht unter Beobachtung, der Zuschauerschwund bei Länderspielen ist ein Thema dieser Tage. Toni Kroos sagt, er empfinde es aber nicht so, wie es dargestellt werde: „Wir sind in Gladbach eine Runde gelaufen. Was wir da von den Fans gehört haben, war positiv.“

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