München – Niko Kovac als Bayern-Trainer: Diese Vorstellung scheint aus einer längst vergangenen Zeit. Dabei bestritt der Rekordmeister bisher nur ein Ligaspiel ohne den Kroaten an der Seitenlinie. Dann aber gleich so erfolgreich, dass Interimslösung Hansi Flick „bis auf Weiteres“ die Geschicke leiten darf. Doch die Trainersuche läuft im Hintergrund weiter auf Hochtouren. Allerdings mit einigen Drehungen. Wunschkandidaten haben abgesagt. Übergangstrainer einen neuen Job. Und Außenseiter stoßen plötzlich in die Pole Position.
Damit man nicht gänzlich die Orientierung verliert, ein Überblick zum aktuellen Stand der roten Trainersuche vor Flicks zweitem Ligaauftritt als Bayern-Coach am Samstag in Düsseldorf.
Arsène Wenger: Der Franzose galt als perfekte Übergangslösung bis zum Sommer. Eloquent, starerprobt und sofort verfügbar. Doch als man sich nicht einig war, wer jetzt eigentlich wen zuerst angerufen hat, war schon wieder alles vorbei, bevor es beginnen konnte. Inzwischen hat der 70-Jährige den Job als Fifa-Direktor für Fußballförderung angenommen.
Ralf Rangnick: Er stand ganz oben auf der Bayern-Liste. Er sollte dem Club eine so verzweifelt gesuchte neue Fußball-DNA einverleiben. Allerdings schwor der „Head of Sport“ bei Red Bull Dosentreue und war somit auch schnell weg von der Bühne.
José Mourinho: „The Special One“ brachte sich regelmäßig in halb Europa ins Gespräch, wurde an der Säbener Straße jedoch nicht ernsthaft diskutiert. Überraschend nahm ihn Tottenham Hotspur diese Woche unter Vertrag.
Mauricio Pochettino: Der Mourinho-Vorgänger bei Tottenham konnte diese Saison nicht an die großen Leistungen der letzten Jahre anknüpfen und so nahm seine Amtszeit in London ein unrühmliches Ende, was sich als Glück für die Bayern entpuppen könnte. Der 47-Jährige ist jetzt frei und steht für modernen Angriffsfußball, wie man ihn auch in München gerne sieht. Pochettino ist aktuell der Top-Kandidat. Die Bayern-Bosse müssen sich nur einig sein, ob Pochettinos mangelnde Deutschkenntnisse ein Ausschlusskriterium darstellen.
Erik ten Hag: Der Niederländer erfüllt alle Kriterien, die Pochettino fehlen. Er kennt den Verein und spricht perfekt Deutsch. Dafür steht er bei Ajax Amsterdam unter Vertrag und könnte wohl frühestens nächsten Sommer an die Isar wechseln. Zudem genießt er bei Ajax höchstes Ansehen und der Club würde ihn nur sehr ungern ziehen lassen. Neben Pochettino aber der Top-Kandidat. Würde noch realistischer, wenn ten Hag sich nach einer neuen Herausforderung sehnt.
Thomas Tuchel: Immer noch ein Rummenigge-Liebling. Aber auch der Ex-BVB-Trainer wäre frühestens zur nächsten Saison 2019/20 ein Thema. Und auch nur dann, wenn er mit Paris wieder nicht den erwarteten Champions-League-Triumph einfährt und die Scheichs aus Katar die Geduld mit dem 46-Jährigen verlieren. DANIEL MÜKSCH