DSV-Adler: Gerupft in den Winter

von Redaktion

Eisenbichler als Trumpf, Geiger als Joker, aber auch Ausfälle: Skispringer starten mit Sorgen

Köln – Endlich Schnee! Wie kleine Kinder freuten sich Markus Eisenbichler und Co. bei der Ankunft im polnischen Wisla über die weiße Pracht, auch wenn die Nadelbäume rund um den Hang noch immer sattes Grün trugen. „Klar, die Temperaturen sind noch hoch. Aber ich hoffe, dass die Präparation der Schanze gut sein wird“, sagte Skisprung-Weltmeister Eisenbichler kurz vor dem lang ersehnten Start in die neue Weltcup-Saison.

Auch dem neuen Bundestrainer war die Vorfreude anzumerken. „Das werden unsere ersten Landungen auf Schnee. Das wird eine Herausforderung“, sagte Stefan Horngacher vor seiner ersten Nagelprobe. Für die DSV-Adler beginnt mit der Qualifikation am heutigen Freitag (18.00 Uhr/Eurosport) eine neue Zeitrechnung, nach elf Jahren unter Werner Schuster hat von nun an Horngacher das Sagen.

Begleitet wird der Neustart allerdings von vielen Fragezeichen. Denn Horngacher muss vorerst nicht nur auf Olympiasieger Andreas Wellinger, Ex-Weltmeister Severin Freund und David Siegel (alle Kreuzbandriss) verzichten, auch bei Hoffnungsträger Eisenbicher lief zuletzt nicht alles rund. „Ich musste wegen Kniebeschwerden etwas kürzer treten. Auch im Rücken hat es gezwickt“, sagte der Dreifach-Weltmeister, beruhigte aber: „Ich fühle mich gut und fit.“

Dennoch ist die Personaldecke arg ausgedünnt. Das deutsche Quartett für den Teamwettkampf am Samstag stellt sich fast von alleine auf: Neben Markus Eisenbichler (Siegsdorf) dürften der letztjährige Tournee-Dritte Stephan Leyhe (Willingen), der WM-Zweite Karl Geiger (Oberstdorf) und Routinier Richard Freitag (Aue) an den Start gehen. Alle drei haben in der Vergangenheit schon ihr Können gezeigt und wollen auch in der neuen Saison den haushohen Favoriten Ryoyu Kobayashi (Japan) ärgern. Hinter dem Quartett klafft aber eine Lücke: In Wisla komplettieren Moritz Baer (Gmund-Dürnbach), Pius Paschke (Kiefersfelden) und Constantin Schmid (Oberaudorf) das Team. „Dass wir von Beginn an Athleten aus unserer B-Mannschaft im Weltcup einsetzen können, spricht für die gute Nachwuchsarbeit“, sagt Horngacher und erklärt die Not zur Tugend. Doch längst ist klar, dass die deutsche Mannschaft aktuell nicht so breit aufgestellt ist wie in den vergangenen Jahren.

Allerdings beschert der Saisonstart in Wisla immer wieder Überraschungen. Vor einem Jahr holte Leyhe dort als Zweiter die erste – und bis heute einzige – Podestplatzierung seiner Karriere. „Deswegen ist die Vorfreude riesig“, sagt Leyhe. Ähnlich äußerte sich Freitag vor dem Auftakt: „Ich freu mich auf den Schnee und das erste Kräftemessen. Ich fühl mich gut, schaun mer mal.“

Überbewerten will freilich niemand das erste Wochenende, zumal die eigenwillige Malinka-Schanze nicht jedem liegt. Ohnehin wirft schon jetzt die Vierschanzentournee ihre Schatten voraus. „Das ist das erste Ziel. Bis dahin wollen wir in Form sein“, sagt Horngacher. Zweiter Höhepunkt wird im März die Skiflug-WM in Planica. Eine nordische Ski-WM oder gar Olympia gibt es im anstehenden „Zwischenjahr“ nicht. sid

Artikel 3 von 11