Neues betrachtet der Mensch skeptisch. Zu bequem sind angelernte Gewohnheiten. Traditionen suggerieren Orientierung in einer sich rasant wandelnden Welt. Da macht der Sportfan keine Ausnahme. So ist es nicht verwunderlich, dass der reformierte Davis Cup aktuell viel negative Kommentare kassiert. Doch der Wettbewerb hat eine faire Chance verdient. Nutzt er seine Möglichkeit nicht, kann man immer noch über das generalüberholte Team-Event herfallen.
Seien wir ehrlich: In den letzten Jahren hatte der Davis Cup seine Faszination bereits verloren. Oder können Sie die letzten drei Davis-Cup-Sieger aufzählen, ohne Dr. Google zu bemühen? Die Top-Stars machten meist einen großen Bogen um den Cup, der mit seinen Fünfsatz-Matches und den vielen kräfteraubenden Reisen kaum in die Turnierpläne von Djokovic, Nadal und Co. gepasst hat.
Man hätte den schleichenden Tod des Davis Cups weiter gespannt verfolgen können – oder etwas Neues wagen. Das ist passiert. Natürlich funktioniert bei der Premiere in Madrid längst nicht alles perfekt.
Doppel, die erst um kurz nach vier in der Nacht enden, sind weder für Spieler noch Fans sinnvoll. Die Organisatoren sollten über eine Reduzierung der Teams (18) nachdenken. Bei sechs Partien pro Tag, drei am Morgen und drei am Abend, sind Mitternachtsduelle vorprogrammiert.
Ebenso ist das Abschenken von Doppeln ein Problem, wie es die Kanadier vollzogen haben, nachdem sie gegen die USA nach den Einzeln uneinholbar in Front lagen. So lieferten die Kanadier den Unterlegenen einen Punkt, 2:0 Sätze und 12:0 Spiele frei Haus und einen entscheidenden Vorteil für die USA im Kampf um das Viertelfinale. Ein Nicht-Antreten muss anders sanktioniert werden.
Es gibt also noch ein paar Startschwierigkeiten. Allerdings handelt es sich nicht um unlösbare Probleme. Der wichtigste Schritt scheint indes bereits vollzogen: Der Wettbewerb ist bei den Spielern angekommen. Voller Leidenschaft kämpfen die Protagonisten unter ihrer Flagge um Punkte kurz vor Saisonende.
Und wer weiß: Vielleicht fiebern wir in zehn Jahren dem „neuen“ Davis Cup als krönendem Jahresabschluss entgegen und sagen: was für eine herrliche Tradition!
Daniel.Mueksch@ovb.net