Köllners heiße Premiere

von Redaktion

Der neue Löwen-Coach rechnet sich im Derby eine „50:50-Chance“ aus

VON LUDWIG KRAMMER

München – Michael Köllner hat einen langen Atem. Zumindest was die Redefreudigkeit bei seinen Pressekonferenzen angeht, liegt der neue Löwen-Trainer schon jetzt deutlich vor seinem Vorgänger. Auch am Freitag war die 30-Minuten-Marke kein Problem für Köllner. Am Ende des medialen Stelldicheins, als alle Fragen zum Drittliga-Derby gegen Bayern II beantwortet waren, gab der Oberpfälzer die Anekdote um sein erstes Sechzig-Livespiel zum Besten. Mitte der Achtziger-Jahre sei’s gewesen, Aufstiegsrunde zur Zweiten Liga . „Das hab ich mir mit dem Fernrohr vom Olympiaturm aus angeschaut. Wir waren auf einem Ministrantenausflug mit Zwischenhalt München. Die Gruppe hat bis zum Abpfiff auf mich warten müssen, weil ich ein Zehnerl nach dem anderen ins Teleskop geschmissen hab…“

Gut 30 Jahre später wird Köllner am Sonntag bei seiner Premiere als 1860-Trainer kein Fernrohr brauchen. Höchstens ein Megafon angesichts der zu erwartenden Geräuschkulisse auf Giesings Höhen. „Das ist ein tolles Spiel“, freut sich der Trainer. „Jeder Spieler wird heiß sein, der Gegner, die Zuschauer. Wenn du Leidenschaft reinbringst, kompakt stehst und diszipliniert agierst, dann hast du eine 50:50-Chance. Am Ende brauchen wir auch Spielglück, dass die Dinge für uns laufen.“

Nähere Einblicke in seinen Matchplan verkniff sich Köllner aus naheliegenden Gründen. Von allzu großen Änderungen gegenüber dem erfolgreichen Auftritt in Halle (1:0) ist allerdings nicht auszugehen. „Dort hat vieles gut funktioniert“ verwies er auf das 5-3-2-System von Interimstrainer Oliver Beer, dessen Konterplan an der Saale mit etwas mehr Konsequenz im Abschluss auch in einen Kantersieg hätte münden können.

Weiterhin fehlen werden die beiden Kreativkräfte Timo Gebhart und Efkan Bekiroglu, auch Benjamin Kindsvater fällt mit Leistenproblemem aus. Wieder fit ist Torhüter Hendrik Bonmann, was bei Köllner allerdings noch lange nicht heißt, dass er auch direkt auf seinen Stammplatz zurückkehren wird. Am Freitag klang es vielmehr danach, dass Marco Hiller wohl im Tor bleiben wird. Mit ihm habe die Mannschaft in den vergangenen Wochen „stabil“ gewirkt, meinte Köllner. Grundsätzlich habe 1860 im Tor eine Luxussituation, auch die Nummer drei, Tom Kretzschmar, sei bedenkenlos einsetzbar. Trotzdem: „Die Entscheidung, die ich auf dieser Position treffe, hat eine gewisse Aussagekraft bis zur Winterpause.“

Und sonst? „Es ist keine Frage, dass unsere Fans und wir lieber ein Derby gegen die erste Mannschaft der Roten bestreiten würden“, sagt Köllner. „Aber wir sollten nicht träumen, sondern müssen die Realität annehmen – und die heißt nun einmal Dritte Liga. Hier müssen wir bestehen und unsere Ziele erreichen. Alles andere ist zu weit weg.“ Da hilft auch kein Fernrohr.

Artikel 1 von 11