Trainerprofil beim FC Bayern

Pochettino passt besser zum BVB

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Nach der Entlassung von Mauricio Pochettino bei Tottenham Hotspur kletterte der Argentinier prompt an die Spitze der Liste für den nächsten Bayern-Trainer. Und dabei handelt es sich nicht um Fantasien gelangweilter Fans in der Länderspielpause – auch die Führungsetage soll den Namen heiß diskutieren.

Das wichtigste Argument für Pochettino: Er ist sofort verfügbar. Keine lästigen Vertragsverhandlungen mit Vereinen, deren Argwohn man mit einem Abwerben beschwören würde. Betrachtet man allerdings die Vita von Mauricio Pochettino, muss man konstatieren: Der 20-fache argentinische Nationalspieler passt (noch) nicht zum FC Bayern.

Mit seinem Überfall-Fußball agiert der Champions-League-Finalist von 2019 bevorzugt aus der Außenseiterrolle. Staatstragende Ballbesitzobsession – wie ihn der FC Bayern noch immer gerne zelebriert – liegt ihm nicht. Entweder müsste sich der Trainer dem Club anpassen oder umgekehrt. Das größte Hindernis für einen Pochettino-Deal allerdings: seine fehlenden Deutschkenntnisse. Nicht für die Spieler. Mit seinen drei Sprachen (Englisch, Spanisch, Französisch) könnte er die meisten Stars problemlos erreichen. Ein Bayern-Trainer muss jedoch auch die Vereins-DNA verbal nach außen transportieren. Er ist Chefdiplomat für die sensible rote Fanseele. Besonders bei sportlichen Durststrecken ist die Sprachbarriere ein delikates Thema. Wie man bei Pep Guardiola oder erst recht bei Giovanni Trapattoni beobachten konnte.

Pochettino steht vor einer vergleichbaren Situation wie Jürgen Klopp nach seinem Abschied aus Dortmund. Auch Klopp musste sich nach einer überaus erfolgreichen Zeit fragen: Was für ein Trainer will ich sein? Dank seiner Triumphe mit dem BVB hätte er bei Vereinen anheuern können, die ihm sofort Titel versprochen hätten. Er entschied sich aber für den FC Liverpool, der zu jener Zeit in Traditionsmelancholie schwelgte und im Mittelfeld der Premier League vor sich hindümpelte. Dadurch konnte der Deutsche jedoch die Weichen für die Zukunft stellen und erntet heute die (sportlichen) Früchte.

So schlimm steht es derzeit nicht um den BVB. Aber Pochettino würde ein Team vorfinden, das nicht sofort ins Halbfinale der Champions League kommen muss. Er könnte in einen unverbrauchten Kader seinen Hochgeschwindigkeitsfußball implantieren und über einen längeren Zeitraum etwas entwickeln. So wie bei Tottenham. Und so wie Jürgen Klopp beim FC Liverpool.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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