Die Lösung wäre so einfach. Lucien Favre geht, Matthias Sammer übernimmt. Der jetzige Berater mahnt die Spieler von Borussia Dortmund zurück in die Spur, das Meisterrennen bleibt lange spannend, und am Ende der Saison werden Hansi Flick im Süden und Sammer im Westen gefeiert, während sich die Herren in den Chefetagen für ihre Interimslösungen den Champagner zuprosten. Niko Kovac? Lucien Favre? Das wären Namen aus einer anderen Zeit. Flick! Sammer! Die Männer der Saison!
Ja, auch der BVB hat sie in den eigenen Reihe, die einfache Lösung, wenn es für Favre – spätestens in ein paar Wochen, womöglich schon am kommenden Sonntag – endgültig vorbei ist bei Schwarz-Gelb. Sammer hat Stallgeruch, kennt das Team und die Bosse, genießt Respekt. Aber: Ihm gefällt seine derzeitige Rolle als Ehrengast, seit seinem leichten Schlaganfall 2016 geht die Gesundheit vor. Den bald vakanten Platz am Spielfeldrand muss ein anderer einnehmen – und genau deshalb hechelt der BVB den Bayern im Moment meilenweit hinterher.
In Dortmund ist man spätestens seit dem 3:3 gegen Paderborn da, wo man in München nach dem 1:5 in Frankfurt war. Favre war schon zuvor, am Rande der Klatsche in München, nur noch ein Schatten seiner selbst, er gehört genauso erlöst wie Kovac vor drei Wochen bei den Bayern. Weil aber eine kurzfristige Lösung à la Flick fehlt, machen die BVB-Bosse den Fehler, den die Bayern in allerletzter Sekunde abwendeten.
Kovac ging, bevor er sich dem Spießrutenlauf aussetzen musste, der Favre nun in Barcelona und Berlin erwartet. „Auf Bewährung spielen“, so heißt es im Fachjargon, und Spaß macht das weder dem betroffenen Trainer noch den Bossen in der Beobachterrolle. Hans-Joachim Watzke kann – wie gestern auf der Mitgliederversammlung – versichern, dass „Lucien weiter unser Vertrauen“ habe. Die Auftritte auf dem Rasen aber sprechen ihre eigene Sprache. Selbst im Falle einer Wende würde sich der Schweizer nur Zeit erkaufen, echte Liebe wird diese Konstellation nicht mehr. Auch wenn die Nachfolge-Lösung nicht einfach ist, kann es daher nur besser werden. Man sollte sich trennen, ehe die Flick-Bayern außer Reichweite sind.
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