Düsseldorf – Herbert Hainer ist kein Mann der großen Worte, bei dem Strahlen, das der frisch gewählte Präsident des FC Bayern vergangenen Samstag beim Gang durch die Düsseldorfer Interviewzone aufsetzte, sprudelte es aber einfach aus ihm heraus. „Ich finde ja, die Mannschaft hat klasse gespielt“, frohlockte der Nachfolger von Uli Hoeneß nach dem 4:0-Kantersieg der Münchner bei der Fortuna. Und weiter: „Es war toll, wie lauffreudig sie war, wie sehr sie gekämpft und gepresst hat. Das erste Spiel als Präsident auswärts 4:0 gewinnen, das gelingt auch nicht jedem.“
Es war in der Tat kein Einstand der schlechten Sorte für den ehemaligen Adidas-Boss, an den von Hansi Flick reicht er allerdings nicht heran. Die Zahlen des „Interimstrainers“ lesen sich wie ein Gedicht: Drei Spiele, drei Siege, 10:0-Tore. Viel besser geht’s nicht, vor allem wenn man den Blick auf die Tabelle richtet. Als Flick das Ruder des Rekordmeisters nach dem Aus von Niko Kovac übernahm, rangierten die Bayern auf Bundesligaplatz vier. Der Abstand zur Spitze: vier Punkte. Heute, keine drei Wochen und zwei Spieltage später, liegen die Bayern einen Zähler hinter dem Tabellenführer aus Gladbach auf Rang drei.
So manch einer würde es wieder „bayern-like“ nennen. Wie es Flick geschafft hat, die Wolkenschleier über der Säbener Straße innerhalb von kürzester Zeit zu vertreiben? Geht es nach den Spielern, so liegen die Gründe für den bayerischen Wetterumschwung in der taktischen Ausrichtung begründet. „Wir stehen etwas höher, das kommt uns zugute“, erklärte Kapitän Manuel Neuer. „So kommen wir in Situationen, in denen wir den Ball früh in der gegnerischen Hälfte erobern und somit den kürzeren Weg zum Tor haben.“ Es sei „ein großer Unterschied, ob man zehn beziehungsweise 15 Meter auseinandersteht oder 20 bis 30“.
Misserfolg und Erfolg sind beim Meister also fünf Meter voneinander entfernt, diese neue Taktik sei aber, das betonte Joshua Kimmich ganz bewusst, „ganz klar Ansage des Trainers“. Seine Analyse fiel ähnlich aus wie die seines Kapitäns. „Es liegt daran, dass wir mutiger anlaufen. Wir schieben unsere Außenverteidiger vor und kommen so zu hohen Ballgewinnen“, so der Nationalspieler, der mit seinen übrigen Ausführungen herzliche Grüße in Richtung seines Ex-Trainers schickte. „Immer zehn Gegenspieler ausspielen“ sei schließlich um einiges komplizierter als „zu versuchen, den Ball 30 Meter vor des Gegners Tor zu erobern“. David Alaba ergänzte: „Hansi gibt uns Vertrauen.“
Und Flick? Wurde ob der zurückgewonnen Spiellaune seiner Schützlinge freilich erneut die Frage nach seiner Zukunft gestellt. Flickt er die Bayern wirklich nur bis Weihnachten oder vielleicht doch auch darüber hinaus? „Ich genieße das Hier und Jetzt“, meinte der Münchner Cheftrainer auf Zeit und ließ sich einmal mehr nicht aus der Reserve locken. Er unterstrich nur, dass er sich „vieles vorstellen“ könne, bis dahin aber noch „ein weiter Weg“ zu gehen sei.
Auch in der Chefetage scheint man jedenfalls nicht gänzlich abgeneigt, die Interimslösung Flick zu einer Dauerlösung zu machen. Sportvorstand Hasan Salihamidzic: „Wir haben uns in sehr guten Gesprächen darauf verständigt, dass der Hansi bis zur Winterpause erst mal Trainer bleibt. Dann werden wir uns wieder zusammensetzen und weitersehen.“ Geht es nach den Spielern, ist die Sache eindeutig. Auf die Frage, ob er am liebsten mit Flick weitermachen wolle, antwortete Torschütze Serge Gnabry kurz und knapp: „Korrekt!“