Mönchengladbach
Das hatte schon etwas Ironisches, dieser Gesang. Als das 0:2 bei Union Berlin abgepfiffen wurde, tönte aus dem Fanblock von Borussia Mönchengladbach: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey hey.“ Immerhin, den abgekämpften Spielern huschte ein Lächeln übers Gesicht. Denn es stimmte ja und war keineswegs ironisch: Trotz der Pleite beim Aufsteiger bleibt Gladbach ganz oben. Die Niederlage schmerzte trotzdem, denn der Vorsprung auf den FC Bayern und Leipzig beträgt nur noch ein Pünktchen. „Wir ärgern uns sehr, weil wir den Lauf gerne fortgesetzt hätten“, sagte Manager Max Eberl mit Blick auf drei Siege vor der Länderspielpause. Ab jetzt kann jeder Ausrutscher – zum Beispiel einer am kommenden Sonntag gegen den SC Freiburg – den Sturz von der Spitze mit sich bringen. Christoph Kramer versicherte zwar: „Das war keine Niederlage, die uns aus den Schlappen haut“, und tatsächlich hatte Gladbach kein schlechtes Spiel abgeliefert. Trotzdem war die Lage da oben schon deutlich komfortabler. Der Endspurt im Advent wird nun zeigen, ob man zur Winterpause von Warnschuss oder Trendwende spricht, wenn man sich an diesen Tag in Berlin erinnert.
Köln
Dicke Winterjacken können manchmal ganz hilfreich sein, nur: In einem mit Kameras ausgestatteten Bundesliga-Stadion helfen selbst die nichts. Markus Gisdol und Horst Heldt waren also auch dann noch bestens zu sehen, als sie sich beim Anblick des 1:4 durch den Leipziger Emil Forsberg eigentlich in den dicken Daunen vergaben wollten. Der Neuanfang unter Trainer Gisdol und Sportchef Heldt war gehörig misslungen, Jonas Hector stellte treffend fest: „Wir waren klar unterlegen – in allen Belangen.“ Eine Wende à la Hans Flick in München ist in Köln nicht möglich, Gisdol ist „klar, dass das kein einfacher Weg wird“. In „kleinen Schritten“ soll die Krise überwunden werden, obwohl sie akut ist: Sieben Punkte aus zwölf Spielen – das liest sich Stand heute wie die Bilanz eines Absteigers. Ähnlich deutlich wie das Spiel, in dem RB frei nach Schnauze kombinieren und Tore schießen konnte. Der fünfte Pflichtspielsieg hintereinander machte Mut. Gleich auf mit Bayern – wird das das Meister-Duell? Sie sollten sich zumindest warm anziehen.
Wolfsburg
Der Klassiker: Kugel unter dem Trikot, dickes Grinsen in die Kameras. Wout Weghorst hatte seine Freundin Nikki auf die verräterische Geste vorbereitet, aber treffen musste der 27-Jährige vorher schon selbst. Beim 2:0 des VfL Wolfsburg gegen die kriselnden Frankfurter gelang es, das zweite Baby der Familie Weghorst wurde öffentlichkeitswirksam angekündigt – und das 1:0 (19.) läutete auch gleich das Ende der Wolfsburger Pechsträhne ein. Der erste Erfolg nach sieben Pflichtspielen ohne Dreier gelang sogar, obwohl das Team von Oliver Glasner in der zweiten Hälfte nach der Gelb-Roten Karte von Marcel Tissenrand zu zehnt agierte. „Selbstvertrauen und Sicherheit“ (Glasner) sind wieder da, während genau das bei der Eintracht fehlt. Die dritte Pleite hintereinander schmerzte besonders, weil sie zu verhindern gewesen wäre. Ersatz-Ersatz-Keeper Felix Wiedwald patzte beim zweiten Tor durch Joar Victor.
Leverkusen
Diese eine Szene war sinnbildlich. Moussa Diaby, der zuvor bei seinem beeindruckenden Startelf-Debüt den Leverkusener Ausgleich geschossen hatte, umkurvte Freiburgs Keeper Mark Flekken – und: rutschte aus. Es hätte das 2:1 für Bayer sein können, hochverdient. Es war aber nur ein weiterer nicht verwandelter Abschluss. Allerdings gab es in dieser Szene wenigstens einen Schuldigen. Der Rasen im Leverkusener Stadion nämlich hatte für mehrere Situationen dieser Art gesorgt, SC-Coach Christian Streich sagte: „Das war wie auf einer Eisenbahn.“ Noch deutlicher wurde Karim Demirbay, der das Grün als „absolute Katastrophe“ bezeichnete. „Konstant weggerutscht“ sei man, sagte Peter Bosz. Zum vierten Mal blieb Bayer daheim sieglos. Wann endet die Rutschpartie? HANNA RAIF