Berlin – Die Vorwürfe wiegen schwer, die Sanktionen werden immer konkreter. Dem Weltsport droht nach den nächsten russischen Betrügereien ein Beben mit seismischen Wellen, die sich über die Olympischen Spiele in Tokio ausbreiten könnten und auch das Potenzial haben, „König Fußball“ zu erschüttern – zumindest die EM 2020 aber ist ausgenommen.
„Die EURO 2020 ist nicht betroffen, da es ein kontinentales Einzelsportereignis ist“, teilte die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA mit. Sollte die WADA am 9. Dezember in Paris die Sanktionen gegen Russland beschließen, die sein zuständiges Ermittlungskomitee empfohlen hat, verliert jedoch nicht nur die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA ihre Zulassung. Die gesamte Nation würde ein Bann treffen, ein Ausschluss von vier Jahren steht im Raum. Damit wären die Olympia-Teilnahme und die Ausrichtung internationaler Top-Events bedroht.
Der Fußball-Weltverband FIFA will die Überlegungen der WADA-Exekutive abwarten, bis er „eine mögliche wichtige Entscheidung trifft“, die zunächst die Qualifikation zur WM 2022 in Katar betrifft.
Den Russen wird vorgeworfen, Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor gefälscht zu haben. Sollte die Nation gesperrt werden, wird der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS und damit eine Hängepartie wie 2016 erwartet, als Russland durch den McLaren-Report institutionelles Doping nachgewiesen worden war, aber noch während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro um die Deutungshoheit gestritten wurde.
„Die Zeit bis zu den sportlichen Großereignissen 2020 ist sehr kurz. Ich befürchte, dass es ein knappes Hickhack geben wird – und das ist für den Sport ganz schlecht“, sagte Sportrechtsexperte Michael Lehner.
Noch nach der Eröffnungsfeier der Spiele 2016 herrschte große Verwirrung über die tatsächliche Größe des russischen Teams, ein denkbar ungünstiges Szenario, das sich nun wiederholen könnte. Denn: „Die Rechtslage ist so wie damals“, sagt Lehner mit Blick auf die Entscheidung der WADA. sid