Im letzten Rennen der Formel-1-Saison in Abu-Dhabi geht es für Sebastian Vettel nur noch darum, einen versöhnlichen Abschluss mit Ferrari zu finden. Es ist kaum vorstellbar, dass es für den Deutschen danach noch eine Zukunft bei den Italienern gibt.
Das wahrscheinlichste Szenario: Ferrari bringt dem vierfachen Weltmeister in den nächsten Wochen bei, dass ab sofort Charles Leclerc als Nummer 1 bauen. Der Franzose ist sportlich mindestens ebenbürtig und hat als junger Wilder deutlich mehr Kredit bei den Tifosi. Bei seiner Vita kann sich Vettel eine solche – wenn auch logische – Degradierung jedoch nicht bieten lassen. Der gebürtige Heppenheimer sollte für diesen Fall von sich aus die Trennung zwischen ihm und dem italienischen Rennstall forcieren. Da beide Seiten in letzter Zeit allerdings nicht mehr glücklich über die Liaison wirkten, scheint eine Scheidung ohne Rosenkrieg möglich.
Nur was kommt danach: Karriere-Ende? Ein Wechsel zu einem anderen Hersteller in der Formel 1? Beiden Optionen wären keine optimale Lösungen.
Aus finanziellen Gründen muss Vettel gar nicht mehr arbeiten. Dennoch kann das Renten-Dasein aus der zweiten Reihe für einen 32-Jährigen sehr lang(weilig) sein. Sportlich muss er niemanden mehr etwas beweisen. Der fehlende WM-Titel mit Ferrari hinterlässt zwar einen kleinen Makel auf seiner sportlichen Visitenkarte. Aber noch mal von vorne anfangen bei einem anderen Formel-1-Arbeitgeber? Dafür ist er dann widerrum zu alt – hier holt ihn der Fluch der frühen Erfolge ein.
Womöglich muss Vettel den großen Schnitt wagen. Der zweifache Familienvater ist gereift und denkt über 1 000 PS hinaus. So beschäftigt ihn seit Längerem, wie nachhaltig sein Sport in Zeiten des Klimawandels sein kann. Daher könnte ein Neuanfang in der Formel E der richtige Schritt für den jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten sein. Die noch vor wenigen Jahren belächelte Rennserie erhält immer breiteren Zuspruch und mit den Herstellern Porsche und Mercedes rückt sie auch in Deutschland immer mehr in den Fokus.
Mit einem Zugpferd Sebastian Vettel würden wohl auch vermeintliche PS-Junkies dem Elektroantrieb eine Chance geben. Und Vettel hätte eine sinnvolle Aufgabe gefunden, die ihn nicht nur sportliche ausfüllt.
Daniel.Mueksch@ovb.net