PROBLEMFELD JUGENDFUSSBALL

Ärgernis RAE:

von Redaktion

Mit der Abschaffung von Tabellen wurde viel Druck aus dem Kinderfußball genommen (auch wenn Trainer und Eltern noch lange eigene Tabellen führten). Ein weiterer Schritt war die Einführung der Fair-Play-Liga, womit der Einfluss der Erwachsenen (Trainer und Eltern) zurückgefahren wurde und Elemente des Straßenfußballs zurückgeholt wurden. Mit Funiño beginnt sich inzwischen eine Spielform zu etablieren, die Kindern in erster Linie Spaß am Fußball, viel Spielzeit, mehr Erfolgserlebnisse und weniger Frust auf der Auswechselbank bescheren soll. Nach der E-Jugend werden die Kinder dann nicht mehr sofort auf das (für ihr Alter viel zu große) Großfeld geschickt, sondern spielen erst mal von Strafraum zu Strafraum.

Vor 20 Jahren gab es im Bereich der C-Junioren als höchste Spielklasse die Bezirksoberliga. Inzwischen wurden noch zwei Ligen darübergesetzt, die Bayernliga und die Regionalliga. Die Zugehörigkeit zur Regionalliga ist für die großen Vereine eine Prestige-Angelegenheit, einen Abstieg kann und will sich keiner leisten. Die Folge: Kleinere und spät im Jahr geborene Spieler können höchstens sporadisch eingesetzt werden, da in diesem Alter die körperlichen Unterschiede riesig sind und robuster, taktischer Fußball letztlich erfolgreicher sein kann als spielerischer. Da ist kaum mehr Platz für die kleinen Dribbler, man setzt auf die akzelerierten Spieler, die im Moment viel helfen, aber vom Talent her eher limitiert sind.

Der RAE (Relative Age Effect) ist als Problem zwar erkannt, eine Lösung aber gibt es nicht. Durch die Einteilung in Jahrgänge werden Januar-Geborene mit Dezember-Geborenen verglichen, die praktisch ein Jahr jünger sind und damit in der körperlichen und persönlichen Entwicklung entsprechend zurück. Das wirkt sich massiv auf das Scouting aus: In die Nachwuchsleistungszentren oder Auswahlmannschaften werden meist nur die im ersten Halbjahr Geborenen geholt, nur sie bekommen damit die optimale Förderung. Ein Beispiel als Beleg: Im jüngsten Kader für einen DFB-Lehrgang zur Bildung einer U15-Nationalmannschaft waren von den 24 Nominierten 20 im ersten Halbjahr geboren, acht davon im Januar. Nicht ganz so krass, aber ähnlich, sieht es in den meisten Kadern der Nachwuchsleistungszentren aus: Um in den hohen Ligen erfolgreich zu bestehen, setzt man gerne auf die robusteren Spieler, Kleinere haben kaum eine Chance. Wodurch viele Talente nicht optimal gefördert werden, resignieren und auf der Strecke bleiben.

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