Das gallische Dorf der DEL

von Redaktion

Straubing, heute zu Gast in München, hat offensiv noch mehr zu bieten als der EHC – Warum sind die Tigers so gut?

VON GÜNTER KLEIN

München – Christian Winkler ist wieder fit. Der Manager des EHC München hatte sich für einige Tage ins Krankenhaus begeben müssen, eine Spätfolge seines Joggingunfalls von Weihnachten 2018 mit kompliziertem Sprunggelenksbruch. Nun stand „Metallentfernung“ an, ein komplettes Heimwerkerset aus Schrauben und Muttern wurde dem Bein entnommen. Winkler kann also wieder seinen gewohnten Platz einnehmen, wenn heute (19.30 Uhr) in der Olympia-Eishalle das Spitzenspiel in der DEL steigt: München, Erster mit 54 Punkten, gegen Straubing, Zweiter mit 44.

Die Tigers aus Niederbayern, eines der „kleinen Teams“ (regionale Gesellschafterstruktur, kein Großsponsor), sind die Überraschung der Liga. Sie haben München diese Saison bereits besiegt (5:1 im Stadion am Pulverturm) und übertreffen den Spitzenreiter sogar noch in der Tordifferenz (+ 30, München + 28). Wie kommt es, dass der kleinste Standort im Gallischen-Dorf-Stil die DEL aufmischt?

Eingespieltheit: Vorige Saison war Straubing ja auch schon ganz gut. Platz acht, nur zwei Punkte von einem fixen Playoff-Platz entfernt. In den Pre-Playoffs scheiterten die Tigers an Berlin. Fünf Abgänge, fünf Zugänge, davon nur ein frischer Amerika-Import – das Team musste nicht erst zusammenfinden, sondern konnte durchstarten.

Die Punktemaschinen: Jeremy Williams, 35, spielt seit 2016 in Straubing – in den gut drei Jahren hat er 83 Tore geschossen. Mike Connolly, 30, hat in dieser Zeit 124 Treffer vorbereitet. Mehr Punkte als die beiden, seit sie gemeinsam für Straubing spielen, hat kein anderer DEL-Stürmer produziert. Doch Straubing kann sich auch aufs „secondary scoring“ verlassen, auf Tore aus den hinteren Reihen. Bis auf zwei Verteidiger haben alle Feldspieler in dieser Saison schon getroffen.

Routine-Talent-Mix: Williams, Connolly, Travis Turnbull, Kael Moullierat, Fredrik Eriksson und Jeff Zatkoff sind über 30 und im internationalen Eishockey herumgekommen. Torwart Zatkoff gewann 2016 mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup (als zweiter Goalie zwar, aber mit Einsätzen in den Playoffs). Doch Straubing wird nicht nur von seinen Importspielern getragen. Stefan Loibl (23, wechselt nächste Saison nach Mannheim) ist Nationalspieler – wie Sven Ziegler, Marcel Brandt und Benedikt Schopper. Auch TJ Mulock und Benedikt Kohl spielten für Deutschland. Mit Tim Brunnhuber haben die Tigers einen der besten U 20-Nationalspieler.

Der Trainer: Tom Pokel, 52, US-Amerikaner, arbeitet seit 24 Jahren im deutschsprachigen Raum, lange unterklassig (Timmendorfer Strand, Trier, Bietigheim). Ein Underdog-Coach. Als er italienischer Nationaltrainer war (2012), warf er die Deutschen aus der Olympia-Qualifikation. Er und Straubing haben sich gesucht und gefunden.

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