Die neue Frontfrau

von Redaktion

Denise Herrmann könnte nach Laura Dahlmeiers Rücktritt die Führungsrolle übernehmen

VON ARMIN GIBIS

München – Mark Kirchner ist dafür bekannt, dass er sich nur ungern auf öffentliche Debatten einlässt. Und so reagierte der Cheftrainer der deutschen Biathleten auch eher mürrisch, als er befragt wurde, ob denn die zurückgetretene Laura Dahlmeier zu ersetzen sei. „Ich verstehe die Diskussion schon den ganzen Sommer nicht. Das ist Vergangenheit, jede Karriere geht einmal zu Ende. Wir konzentrieren uns jetzt nicht auf etwas, das war“, sagt er.

Nun, ganz so einfach ist die aktuelle Situation vor dem Weltcup-Start am Wochenende in Östersund wohl nicht zu beschreiben. Schließlich verabschiedete sich im Frühjahr mit Laura Dahlmeier eine grandios erfolgreiche Skijägerin. Zwei olympische Goldmedaillen gewann die 26-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen, dazu sieben WM-Titel, den Gesamtweltcup und 20 Weltcuprennen. Ein halbes Jahrzehnt lang war sie das Aushängeschild des deutschen Biathlons, der nationalen Nr. 1 im Reigen der Wintersportarten. Da stellt sich natürlich automatisch die Frage, ob die Starrolle auch adäquat neu besetzt werden kann. Kirchner hat dazu allerdings auch eine klare Antwort: „Denise Herrmann wird dieses Jahr die absolute Frontfrau des Damenteams sein.“

Im Grunde hat die frühere Langläuferin schon im letzten Winter gezeigt, dass sie das Zeug zur Parade-Biathletin hat. Bei der Weltmeisterschaft in Östersund errang sie einen kompletten Medaillensatz (Gold, Silber, Bronze), stieg somit in die Weltelite auf. Während der Vorbereitung des Nationalteams im vergangenen Sommer setzte die 30-Jährige – vor allem im Laufen – die Maßstäbe im deutschen Team. Aufgrund ihrer Überlegenheit suchte sie sich mitunter sogar bei den Männern Trainingspartner. „Das ist schön, wenn man weiß, dass man vorne wegläuft. Für mich ist es aber auch ein bisschen schwierig, ich brauch auch mal jemand, an dem ich mich messen kann“, erzählt sie. Zeitweise ging die Sächsin auch mit ihrem Freund Thomas Wick, einem Skilangläufer mit Weltcuperfahrung, in die Loipe. Im Partnerschaftsduell war sie allerdings – nicht ganz unerwartet – chancenlos.

„Was Denise zeigt, ist sehr, sehr gut“, meint Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer zu den Trainingsleistungen: „Wenn eine vorausgeht, ist das super. Aber uns wäre es auch wichtig, dass wir in der Spitze eine gewisse Breite haben.“ In dieser Hinsicht dürften vor allem die eta-blierten Teamkolleginnen Vanessa Hinz und Franziska Preuß gefragt sein.

Herrmann selbst bemüht sich, verfrühte Euphorie zu vermeiden. „Biathlon ist eine Sportart, in der du immer wieder Rückschläge erleben kannst. Gerade im Schießen“, betont sie. Schließlich hat Herrmann den Großteil ihrer Sportkarriere als Langläuferin bestritten, erst seit drei Jahren übt sie auch mit dem Kleinkaliber. „Man darf sich nie ausruhen. Du musst immer an dir feilen. Im Schießen ist das Feinarbeit“, sagt sie. In Oberhof hat sie sich einen neuen Schaft für ihre Waffe anfertigen lassen. „Ich hoffe, dass da noch ein paar Schießprozente herauskommen.“ Die jüngsten Trainingseindrücke am Schießstand sind offenbar vielversprechend: Über ihren neuen Schaft sagt Denise Herrmann: „Das ist mittlerweile mehr als nur ein Stück Holz – ich identifiziere mich damit.“

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