München – Joachim Löw mag diese Veranstaltungen der großen Verbände wie FIFA und UEFA nicht: Trainer-Workshops, Auslosungen, Anzug mit Krawatte tragen und rumsitzen müssen. Es ist Bürokratie, die er lieber meiden würde. Es entstehen auch nur unschöne Bilder. Einmal: wie der Bundestrainer auf einer Bleistift-Mine herumkaute. Schlechtes Vorbild für die Kinder.
Wenigstens eine gute Nachricht gibt es für Löw im Vorfeld der Gruppenauslosung der UEFA für die Europameisterschaft 2020. Die Prozedur, die im Bukarester ROMEXPO, einer Halle, in die bis zu 14 000 Zuschauer passen, abgehalten wird (Samstag, 18 Uhr, live auf ONE), dauert bei Weitem nicht so lange, wie die Komplexität des Verfahrens es vermuten ließe. Die Ziehung der Lose veranschlagt die UEFA auf zwanzig Minuten, mit Rahmenprogramm werden es fünfzig sein. Man wird also schnell erfahren, mit wem man es zu tun hat im kommenden Sommer.
Was bekannt ist: Dass die deutsche Nationalmannschaft Kopf der Gruppe F sein wird und ihre drei Vorrundenspiele in München austrägt – am Dienstag, 16. Juni, Samstag, 20., und Mittwoch, 24. Juni. Nun wartet sie auf die Gegner, doch ungefähre Vorstellungen kann sie sich schon machen. Weil das Turnier anlässlich der 60-jährigen Erstaustragung einer Europameisterschaft in zwölf Ländern ausgetragen wird (eine Idee von Ex-UEFA-Präsident Michel Platini), sind bestimmte Konstellationen in der Vorrunde ausgeschlossen. Der DFB kann aus Topf 2 nicht die Niederlande und Russland bekommen und aus Topf 3 nicht Dänemark, weil sie selber Gastgeber sind.
Das schränkt den Kreis der Kontrahenten ein. Aus Topf 2 kommen nur Frankreich, Polen, Schweiz und Kroatien in Betracht, aus 3 Portugal, Türkei, Österreich, Schweden, Tschechien. Die Rangfolge wurde aus den Abschlusstabellen der eben zu Ende gegangenen EM-Qualifikation errechnet – daher sind die WM-Finalisten von 2018 (Frankreich, Kroatien) oder EM-Titelverteidiger Portugal trotz besserer Weltranglistenplatzierungen (2., 6. und 7.) hinter Deutschland (15.) eingestuft.
Möglich ist also die Hammer- oder Todesgruppe – genauso aber die zur deutschen Auslosungsgeschichte passende Duselgruppe. Mit Schweiz und Österreich als Gegnern könnte es fast schon regional werden. In der Wirtschaft spräche man von der DACH-Gruppe.
Wer die vierte Mannschaft in der Gruppe und in München sein wird, erfährt man erst, wenn am 31. März die Playoffs abgeschlossen sind. Auch das ist neu: Vier Plätze werden an Länder vergeben, die bei der Qualifikation gescheitert sind, aber in der 2018 ausgespielten Nations League eine bessere Figur abgegeben haben. 16 Teams treten im Frühjahr auf vier „Pfaden“ in Halbfinals und Finals gegeneinander an.
In die deutsche Gruppe (F) kommt der A-Pfadfinder, falls es Island, Bulgarien oder Ungarn ist. Setzt sich jedoch Rumänien durch, das in die Amsterdam-Bukarest-Gruppe müsste, wird der dritte DFB-Gegner über den D-Pfad unter Georgien, Nordmazedonien, Kosovo und Weißrussland ermittelt. Für den Kosovo legte die UEFA eine Spezialklausel fest: Soll in der Vorrunde nicht auf Bosnien-Herzegovina, Serbien, Russland treffen.
„Mit der Auslosung bekommt das Turnier ein Gesicht“, sagt Joachim Löw – wissend, dass auch auf seines geachtet wird, wenn eine Loskugel geöffnet wird. Er wird Gelassenheit demonstrieren Wie immer in all den Jahren.