Anruf bei Heynckes

von Redaktion

Flick lobt sein Trainerteam beim FC Bayern und erzählt von einem Telefonat

VON JONAS AUSTERMANN UND MANUEL BONKE

München – Pünktlich zum ersten Adventswochenende startet der FC Bayern die Weihnachts-Mission. Am Samstag (18.30 Uhr) trifft das Team von Hansi Flick in der heimischen Arena auf Bayer Leverkusen. Und Karl-Heinz Rummenigge hat die Richtung für die verbleibenden fünf Ligapartien des Jahres 2019 klar vorgegeben. Während des Banketts nach dem Champions-League-Sieg bei Roter Stern Belgrad (6:0) sagte der Münchner Vorstandschef: „Es wäre schön, wenn wir es schaffen, bis Weihnachten von der Spitze des Baumes nach unten zu schauen. Das sollte unser nächstes Ziel sein.“

Der bisher so erfolgreiche Flick (vier Spiele, vier Siege, 16:0 Tore) lässt sich von derlei frommen Wünschen nicht verrückt machen. Er sagt: „Für mich geht es von Spiel zu Spiel. Ich möchte auch immer gewinnen, aber das sind Dinge, die auf dem Platz entschieden werden.“ Dementsprechend konzentriert sich der 54-Jährige voll darauf, seine Mannschaft bestmöglich auf die jeweiligen Gegner einzustellen. Nach Leverkusen folgt die Reise zum derzeitigen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach (7. Dezember), danach treffen die Bayern noch auf Werder Bremen (14. Dezember), den SC Freiburg (18. Dezember) und den VfL Wolfsburg (21. Dezember). Besonders Leverkusen begegnet Flick mit einer Menge Respekt. „Die Teamsitzung zur Vorbereitung auf Leverkusen war etwas länger als üblich. Daran sieht man schon, welche Bedeutung Bayer für uns hat. Das ist eine Mannschaft, die Fußball spielen will -– und es macht Spaß, ihr dabei zuzuschauen.“

Apropos Gegnervorbereitung: Flick ließ im Pressestüberl an der Säbener Straße eine beinahe besinnliche Stimmung aufkommen, als er das Team hinter dem Team ausführlich und namentlich lobte. Flick begann seine Lobeshymne mit der Feststellung: „Der Fußball ist keine One-Man-Show.“ Es sei wichtig, dass jedes Mitglied des Betreuerstabs seine Expertise einbringe. Danny Röhl etwa, der im Sommer vom FC Southampton gekommene Videoanalyst, leiste „Tag und Nacht hervorragende Arbeit“. Flick fuhr fort mit Torwarttrainer Toni Tapalovic („Er steht auch in der Videoanalyse seinen Mann“), Assistent Hermann Gerland („Er weiß, wie der Verein funktioniert“) und mit dem medizinischen Stab um Fitness-Chef Dr. Holger Broich („Sie sind Experten“). Flicks abschließende Worte in dieser Sache: „Das Ganze wird immer an einem Namen festgemacht, mir ist aber wichtig, dass man auch weiß, dass dahinter noch viel mehr Leute stecken, die tolle Arbeit machen.“

Bei solchen Äußerungen verwundert es nicht, dass bei Flick immer öfter der Vergleich mit Jupp Heynckes bemüht wird. Ihm selbst ist das gar nicht so recht. „Jupp Heynckes ist einer der besten und erfolgreichsten deutschen Trainer, die es gibt. Deswegen möchte ich mich mit ihm überhaupt nicht vergleichen. Er ist ein Vorbild für mich. Er hat Empathie, Menschlichkeit – und sich selbst nie zu wichtig genommen. Das sind Dinge, die im Fußball ganz guttun“, sagte Flick. Vergleiche scheut er, den Griff zum Telefon aber keinesfalls. Er verriet, dass er zuletzt „ein paar Mal“ mit dem 74-Jährigen telefoniert habe. Ob es dabei Ratschläge in Sachen Menschenführung gab, ist nicht überliefert. Ob Flick das überhaupt braucht, steht auf einem anderen Blatt Papier.

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