München – Ober- gegen Niederbayern, Erster gegen Zweiten – die Konstellation zog: Ausverkauftes Haus (6142 Zuschauer) am Oberwiesenfeld, ein Spiel mit offenem Visier und ein Ergebnis, das dem Heimpublikum gefiel: 3:1 (0:0, 1:0, 2:1) gewann der EHC München die Spitzenpartie der Deutschen Eishockey-Liga gegen die Straubing Tigers. Der Vorsprung ist komfortabel: 13 Punkte nach 22 Runden.
Es war der Tag, an dem beim EHC Personalentscheidungen fielen. Zunächst wurde Andy Eder definitiv zu den Nürnberg Ice Tigers verabschiedet, an die er bis zunächst 30. November nur ausgeliehen war. Der 23-jährige Mittelstürmer, mit München dreimal Deutscher Meister geworden, hatte um einen endgültigen Wechsel zu den Franken gebeten, wo er eine tragendere Rolle im Team, mehr Eiszeit und Verantwortung bekommt. Er unterschrieb bei den Ice Tigers bis Saisonende.
Die Großzügigkeit, ihn ziehen zu lassen, konnte sich der EHC München leisten, weil sich ein anderer Angreifer zurückmeldete: Jason Jaffray, 38. Man hatte ihn über ein Jahr – einen Comebackversuch für eine Partie ausgenommen – nicht mehr auf dem Eis gesehen, er musste sich einer Hüft-Operation unterziehen und einer langwierigen Reha. Da Jaffray eine der limitierten Importstellen belegt, hatte ihn der EHC erst zu diesem Spieltag bei der Deutschen Eishockey-Liga lizenziert. Jaffray, von der Nordkurve mit Transparenten willkommen geheißen, hatte weniger Einsätze bei seinem Comeback, aber wurde von Trainer Don Jackson bereits in Unterzahl aufs Eis geschickt.
Vor allem im ersten Drittel ergaben sich viele Gelegenheiten zu Powerplays und Penalty-Killings, weil beide Seiten ihren Vorsatz, Strafen zu vermeiden, nicht umsetzen konnten. Früh zeigte sich: Straubing geht mit, sucht die Offensive und die eigenen Chancen, kontert schnell, kombiniert flüssig. Was ebenfalls klar wurde: Dass es ein Spiel mit den Torhütern im Blickpunkt sein würde. Kevin Reich bei München, der aufgrund der Verletzung von Stammkeeper Aus den Birken bis etwa Weihnachten gesetzt ist, der NHL-erfahrene Jeff Zatkoff bei den Straubingern. Beide zeigten starke Saves.
Das Tor, auf das man in solchen Spielen lange wartet, ist dann meist eines aus dem Nichts. So geschah es in der 25. Minute: Chris Bourque schlenzte aus einem eigentlich ungefährlichen Winkel, fast von der Bande aus, die Scheibe aufs Tigers-Tor – und weil mit Trevor Parkes ein Münchner Stürmer und auch noch ein eigener Verteidiger vor ihm kreuzten, konnte Zatkoff den Puck nicht sehen. Er schlug ein, 1:0 für München – was insofern zum Abend passte, weil die Eltern von Chris Bourque in der Halle waren; sie sind für eineinhalb Wochen zu Besuch. Ray Bourque, der Vater, war ein NHL-Superstar (Boston Bruins), einer der besten Eishockey-Verteidiger aller Zeiten.
Der EHC kam zu weniger Schüssen als Straubing, war aber effizienter. Daryl Boyle (54.) und Patrick Hager (56.) schossen das 3:0 heraus – was auch notwendig war, da Straubing der Anschluss gelang (Mulock, 57.) und die Tigers den Großteil der Schlussphase ohne Torwart auf noch mehr drängten. Beherzt, aber vergebens.