Derby-Schmach für den Spitzenreiter

von Redaktion

EHC München hat plötzlich ein Torhüterproblem und verliert in Augsburg 2:5

VON GÜNTER KLEIN

Augsburg – Heute, am Montag, geht der EHC München auf die Reise in den Norden. In Stockholm, beim Traditionsclub Djurgarden, steht am Dienstagabend im Viertelfinale der Champions Hockey League (CHL) das Hinspiel an. Der internationale Auftritt ist dem EHC wichtig, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) steht er ohnehin über den Dingen. Da kann schon mal eine Partie verloren gehen. Aber natürlich nicht so: In Augsburg, beim alten Feind aus Schwaben, leisteten sich die Münchner eine schmachvolle 2:5 (0:1, 1:4, 1:0)-Niederlage.

Wie konnte es zum Einbruch des EHC kommen? Gegen eine Mannschaft wie Augsburg, die hinter ihren Erwartungen geblieben ist?

Nun, zum einen hatten die Münchner über Nacht ein Torwartproblem bekommen. Danny Aus den Birken fehlt nach einer Beinoperation noch bis etwa Weihnachten, Kevin Reich hatte ihn zuletzt formidabel vertreten, auch am Freitag beim 3:1-Heimsieg gegen Straubing. Doch dann wurde Reich krank, und Daniel Fießinger musste einspringen, der dritte Torhüter in der internen Hierarchie.

Fießinger, 23, Allgäuer, ist kein ausgewiesenes Talent wie Kevin Reich. Er hat einige U-Länderspiele gemacht, doch die vergangenen Jahre in der Oberliga zugebracht, in Regensburg und Garmisch-Partenkirchen. Für den SC Riessersee kommt er diese Saison auf 16 Einsätze. Fangquote 88,5 Prozent, Gegentorschnitt 2,5. In München trainiert er einigermaßen regelmäßig mit, manchmal gibt EHC-Goaliecoach Patrick Dallaire auch Unterrichtsstunden in Garmisch – doch einen Erstligaeinsatz hatte Fießinger noch nie. Sein Back-up gestern in Augsburg war Christopher Kolarz, ein 18-jähriger Bad Aiblinger aus der Red-Bull-Akademie.

Nicht dass DEL-Debütant Fießinger schuld gewesen wäre an der Niederlage – doch es war bis auf die Ränge des ausverkauften Curt-Frenzel-Stadions (6179 Zuschauer) zu spüren, dass er keine Sicherheit ausstrahlte. Die außergewöhnlichen Saves, die Aus den Birken und Reich zum wohl besten Gespann der DEL machen, hat Fießinger nicht im Repertoire.

Doch er wurde – und das muss der wesentliche Kritikpunkt sein – von der Abwehr im Stich gelassen. Das fing beim 0:1 aus Münchner Sicht an, als Aulie und Seidenberg die Scheibe nicht rausbrachten und setzte sich fort in einer grundsätzlichen Haltung der Undiszipliniertheit. Es ist ohnehin ein Rätsel, warum eine spielstarke Truppe wie der EHC nach Straubing die meisten Strafen der Liga nimmt. Es war jedenfalls auch in Augsburg so, dass die Münchner ihrem Gegner jede Menge Überzahlgelegenheiten boten. Und so trafen die Panther regelmäßig im Powerplay. Verteidiger Simon Sezemsky zeigte zum 2:0 seinen mittlerweile in der DEL berühmten „One-Timer“, die Direktabnahme, die er wöchentlich 200 Mal extra trainiert.

Danach spielten die Panther den EHC mit einem (oder auch mal zwei Mann mehr) regelrecht auseinander, Payerl (2) und Fraser bauten den Vorsprung bis auf 5:1 aus. Die Münchner hatten bei einem ihrer seltenen Überzahlspiele durch Mark Voakes (25.) auf 1:2 verkürzt.

Im letzten Drittel tat sich bis auf ein paar Derby-Ruppigkeiten nicht mehr viel. Don Jackson konnte seine Mannschaft dann auch noch ein wenig Überzahlspiel üben lassen, Mark Voakes gelang der Treffer zum 2:5 aus Sicht des EHC, der nun hofft, dass er einen gesundeten Kevin Reich im großen Spiel in Schweden ins Tor stellen kann.

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