München – 16 Tage im Camp von Jose Mourinho auf der Insel Troia vor Lissabon. Mit der Marke, 2017 unter Vitor Pereira gesetzt, dürfte der TSV 1860 einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt haben, was die Dauer eines Trainingslagers angeht. Einen Rekord, was die Länge der Anbahnung eines Trainingslagers betrifft, wurde in dieser Drittliga-Hinrunde gesetzt – Hasan Ismaik persönlich setzte nun den Schlusspunkt. Der Investor spendet 40 000 Euro für einen Aufenthalt im Süden. Aber der Reihe nach.
Bereits im Sommer wurde vom inzwischen zurückgetretenen Daniel Bierofka der erste Hinweis platziert, dass das nötige Kleingeld für die obligatorische Winterfrische in Oliva bei Valencia fehle. Ohne Ergebnis. Kürzlich dann, beim Kabarettabend in der VIP-Alm, wurde im Beisein von Unternehmern mit Löwen-Herz getrommelt – ebenfalls weitgehend erfolglos. Vorige Woche schließlich sorgte der Verein mit einem Spenden-Aufruf für Schlagzeilen, der vielfach als Bettelei verspottet. Selbst die Kronenzeitung griff das Thema auf. „Klammer Kultklub – Fans sollen blechen“, schrieben das Wiener Blatt.
Glaubt man Ismaik, zog die Anpump-Aktion sogar noch weitere Kreise – bis zu einem Sportmedium, das in Katar seinen Sitz hat. Bei Facebook schrieb Ismaik, der in Abu Dhabi, also quasi um die Ecke, seinen Firmensitz hat: „Ich habe heute auf Al Jazeera Sport gelesen, dass ein deutscher Traditionsklub seine Fans anbettelt (…). Als ich den Text dann genauer studierte, habe ich mir die Augen gerieben: Es ist unser TSV 1860 gemeint. Ich schäme mich. Wir betteln unsere eigenen Fans an, die 365 Tage im Jahr alles für unseren Verein geben: Hohe Eintrittspreise. Große Treue. Jahrzehntelange Schmerzen. Wie weit wollen wir noch gehen?“
Das Ende vom Lied: Ismaik zahlt und schlägt vor, das bisher gesammelte Gelder dem Nachwuchs zukommen zu lassen. Auch Michael Köllner, Bierofkas Nachfolger, darf sich freuen. Ob Ismaik selbst PR-mäßig punktet, wird die Zukunft zeigen. ulk