Unterhaching – Zumindest der Mann in Hachings DJ-Kanzel war bis zum Schluss konzentriert bei der Sache. In der zweiten Minute der Nachspielzeit hatte Sascha Mölders mit einer artistischen Einlage für den Knockout der Spielvereinigung gesorgt. Eine Minute später dröhnte ein Lied aus den Boxen des Sportparks, das den Gastgebern aus der Seele sprach: „So an saudummer Tag“ von Konstantin Wecker. Und Manfred Schwabl, Präsident des Vorstadt-Börsenclubs, machte das passende Gesicht dazu.
„Das muss ich erst mal sacken lassen“, sagte der frühere 1860-Kapitän und starrte Richtung Nordkurve, wo die siegreichen Löwen mit ihrem Anhang feierten. Ärgerlich sei die Niederlage vor allem „vom Zeitpunkt her“– nach einem ebenfalls späten und kaum noch erwarteten Ausgleichstreffer. „Die Löwen haben aber nicht unverdient gewonnen“, sagte Schwabl: „So fair muss man sein. Ich hätte den Punkt gerne mitgenommen, aber es hat nicht sollen sein – aus welchen Gründen auch immer.“
Der Hauptgrund stand zu diesem Zeitpunkt noch vor der BR-Kamera und musste sich wie seine Kinder üble Beschimpfungen anhören, als er sich dem Kabinentrakt näherte. Ein paar Löwen-Fans waren aber auch da, um den zweifachen Torschützen gebührend zu feiern. Einer von ihnen war Mitspieler Marius Willsch – und der sprach aus, was viele Fans nach der x-ten Mölders-Gala in den letzten Wochen dachten. „Wir müssen mal mit ihm reden, ob er nicht noch einen Sommer dranhängt“, sagte der ebenfalls formstarke Rechtsverteidiger: „Im Moment ist Sascha unser Mann. Wie er die Bälle vorne festmacht, wie er für die Mannschaft ackert und die Tore macht. Das ist bärenstark. Einfach überragend!“
Für Mölders selbst war dieses Thema allerdings schnell beendet. Rücktritt vom angekündigten Rücktritt? „Da brauchen wir jetzt nicht drüber reden. Ich hab ja gesagt: Im Sommer ist Schluss. Das muss ich jetzt nicht alle paar Wochen wiederholen.“ Lieber schilderte er, wie er den Fans mit drei späten Derby-Punkten die Heimfahrt versüßt hat. „Die Flanke kommt rein, und wenn du in der Nachspielzeit bist, dann gibt es nur eins: Der Ball muss irgendwie vors Tor. Der Spieler hinter mir spekuliert drauf, dass ich nicht mehr rankomme und läuft schon raus. Und dann ist es natürlich ein Traum.“ 90.+2 zeigte die Uhr, Mölders Drehschuss schlug vor dem Block mit den 5000 Löwen-Anhängern ein. „Das war einfach nur geil“, fasste der Torjäger den Nachmittag aus Löwen-Sicht zusammen.
Manni Schwabl blieb derweil nichts anderes übrig, als sich zu einem optimistischen Vorausblick zu zwingen. „Das 2:2 hätten wir unterschrieben, aber zurzeit läuft’s ein bisschen dagegen.“ Nur acht Punkte holte Haching aus den letzten acht Spielen. Ziel müsse jetzt sein, „gemeinsam die Wende zu schaffen“.
Wie lange er brauche, um den aus Hachinger Sicht saudummen Nachmittag abzuhaken? „Schon ein bisschen“, brummte Schwabl. Um es mit Konstantin Wecker zu sagen: „I hob fürs Leben heit koa Gfui.“ ULI KELLNER