Jason Jaffray lächelt auf dem Eis

von Redaktion

Der 38-jährige Münchner verbrachte fünf Monate unter Teenagern

VON GÜNTER KLEIN

München/Augsburg – Jason Jaffray spielte am Freitag. Und am Sonntag. Und er wird am Dienstag spielen, in der Champions League. Jetzt ist sein Leben wieder ein Eishockey-Leben. Jaffray lächelt sogar auf dem Eis. Weil die Leiden hinter ihm liegen und vielleicht doch noch ein kleines Stück Karriere vor ihm.

„Vor 13 Monaten habe ich zuletzt gespielt und war gesund“, sagte er nach seinem Comeback am Freitag gegen Straubing (3:1). Seit Oktober 2018 war er verletzt. Anfang Februar 2019 machte er noch ein Spiel, ein einziges. Hinterher zwang er sich zwar, einen glücklichen Eindruck zu machen, doch wie er nun im Rückblick zugibt, war die Freude inszeniert. Die Tatsache: „Bei diesem Spiel habe ich in der Pause zwischen dem ersten und zweiten Drittel geweint. So sollte meine Karriere nicht enden.“ Die Hüfte war kaputt, es blieb nur eine Operation. Und eine lange Reha. „Sechs, sieben Stunden am Tag.“

Nun ist Jaffray, der Stürmer, der treffsicher ist und auch gut Unterzahl spielen kann, wieder da. Der EHC München braucht ihn dringend. Es steht das Viertelfinale gegen Djurgarden Stockholm in der Champions League an (heute, 18 Uhr, Sport1), ab 11. Dezember werden Justin Schütz und John-Jason Peterka, die beiden Junioren, für einige Wochen mit der U 20 im WM-Einsatz sein. Jaffray ist 38 – älter als Peterka, 17, und Schütz, 19, zusammen.

Jaffray ist alt, andere sind jung – dieser Kontrast war sein großes Thema in den vergangenen fünf Monaten. „Ich muss mich bei unserer Organisation bedanken, sie hat die bestmögliche Behandlung für mich ermöglicht“, sagt er. Die Fürsorge, wie er sie brauchte, fand Jaffray in der Red-Bull-Nachwuchsakademie in Salzburg: „Da saß ich mit 16-, 17-, 18-Jährigen beim Essen.“ Er staunte über die hochmoderne Leistungsmaximierungswelt, in der die Jugend sich heute bewegt, doch ebenso wurde zurückgestaunt: Jason, der alte Mann, „der über 1000 Profispiele hat und daran arbeitet, dass es noch weitergeht“, so Jaffray. Natürlich hatte auch er überlegt: Soll er’s sein lassen, zurücktreten?

In Salzburg hatte er einen Arzt und einen Physiotherapeuten, die sich intensivst um ihn kümmerten. Der Physio „war vor meinem ersten Spiel nervöser als ich“, erzählt Jaffray. Fünf Monate brachte er in Salzburg-Liefering zu.

Mit kleinen Sonderrechten: „Ja, ich hatte ein Einzelzimmer.“ Üblich ist in der Akademie die Belegung mit zwei oder drei Spielern. „Und die letzten Wochen bin ich in ein Apartment gezogen in der Nähe, wo auch die Akademie-Spieler über 18 wohnen.“ Und er fand auch Ansprache in seiner Altersklasse: Matt McIlvane, lange Co-Trainer in München, ist nun Chefcoach in Salzburg, Matt Smaby, bis 2017 Verteidiger beim EHC, McIlvanes Assistent. Und Derek Joslin, Abwehrmann, ist von München nach Salzburg gewechselt. Die Münchner Runde ging öfter zusammen essen. Jason Jaffray konnte sich fast so fühlen wie zuhause.

Er hat diese Zeit der Reha ohne Familie (Ehefrau, die Kinder sind neun und zwölf) bewältigt. Sie pendeln zwischen Nordamerika und München – aber was hätten sie hier tun sollen, wenn er in Salzburg rackert? Seinen großen Tag der Rückkehr wollten sie freilich übers Internet mitverfolgen, über den Livestream. „Sie haben darum gebeten, an diesem Tag nicht zur Schule gehen zu müssen.“ Er sagt, der Gedanke an die Kinder sei Teil seiner Motivation gewesen. Sie sollten noch ein paar Mal sehen, was ihr Daddy sein Leben lang gemacht hat, worin er gut ist.

Jason Jaffray hatte nach seinem Comebackspiel einen Eisbeutel auf der rechten Hand. Routine, wenn man einen Schlag bekommen hat. Er spürte den Schmerz nicht.

Artikel 9 von 11