Stockholm/München – Die Spieler lieben die Champions Hockey League (CHL). Das sei, räumt Danny Aus den Birken, derzeit verletzter Torwart des EHC München, ein, nicht immer so gewesen: „Früher hat man die Spiele mehr zur Saisonvorbereitung genommen.“ Erst seit einem Relaunch des Formats vor zweieinhalb Jahren ist die Wertschätzung, die es erfährt, gestiegen. Der EHC München leistete dazu einen wesentlichen Beitrag mit seinem vorjährigen Lauf, der ihn bis ins Finale nach Göteborg führte.
Für den Verein waren es die größten Momente seiner Geschichte – trotz der drei Deutschen Meisterschaften von 2016, 17 und 18. International wuchs er eishockeykulturell, als ihn 600 Fans zum Endspiel nach Schweden begleiteten. Wochentags. Im Februar. Einige in kurzen Lederhosen. Als wäre der große FC Bayern auf Europa-Reise. Wie der Fußballclub hielt auch der EHC nach dem Spiel, das er 1:3 verlor, ein Bankett ab. Und einige DEL-Konkurrenten bedankten sich, dass die Münchner, die sie sonst nicht sonderlich mögen, das deutsche Eishockey gut vertreten hatten.
Diese Saison werden die Münchner aber wohl kein CHL-Endspielerlebnis haben. Das erste Viertelfinale am Dienstagabend endete bei Djurgarden Stockholm mit einer 1:5-Niederlage, da muss fürs Rückspiel am kommenden Dienstag, das man irgendwie mit fünf Toren Differenz zu gewinnen hat, schon der Wunderglaube bemüht werden. „Wir haben Teams von ähnlicher Qualität schon geschlagen“, findet Stürmer Frank Mauer, „und wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir solche Spiele drehen können.“
Einen derart massiven Rückstand musste der EHC in der Champions League aber noch nie angehen. Für den bisher größten Coup in der K.o.-Runde sorgte im Achtelfinale Titelverteidiger Frölunda Göteborg. In Karlstad, beim schwedischen Club Färjestad, hatte er 3:6 verloren – und legte im Rückspiel ein 8:2 aufs Eis. Doch der EHC wirkte am Dienstag in Stockholm vor allem in seiner Abwehrarbeit kraftlos und wenig entschlossen – und Djurgarden unerschütterlich. Kann man über diese Mannschaft einfach so hinwegrauschen? Danny Aus den Birken, der sich das Ganze wieder von draußen wird ansehen müssen, glaubt, dass die CHL einiges in den Spielern wecken könnte. „Es geht so schnell, dass man gar nicht zum Nachdenken kommt und einfach nur noch reagiert.“
Freilich hat München neben Aus den Birken noch ein paar Verletzte – und auch einen anspruchsvollen DEL-Spielplan zu bewältigen. Das Match gegen Djurgarden ist platziert in die Mannheim-Woche. Am Sonntag, 8. Dezember, und Sonntag, 15. Dezember, muss der EHC seine Heimspiele gegen die Adler austragen, den Meister. Da geht es darum, den Vorsprung in der DEL zu wahren – und das wird bald wieder das Kerngeschäft sein, falls die europäische Reise am 10. Dezember enden sollte.
Versuchen wird der EHC natürlich, das Unmögliche möglich zu machen – Eishockeyspieler sind da unkompliziert. Es gibt nichts mehr zu verlieren – nur noch zu gewinnen. Und selbst wenn man ausscheiden sollte: Schon jetzt dürfen sich die Münchner sicher sein, auch 2020/21 Champions League zu spielen. Auch dank ihres neuerlich guten Abschneidens – sie kamen weiter als Mannheim und Augsburg (Aus im Achtelfinale) – ist die DEL in der Nationenwertung von Platz fünf auf drei gestiegen und wird vier statt drei Startplätze bekommen. Und es werden mehr Spieler die CHL lieben lernen.