München – Erfolg eint, Misserfolg entzweit – von diesem Credo ist Michael Köllner überzeugt. „Wenn du keinen Erfolg hast“, sagt der neue Trainer des TSV 1860, „dann wird nach Gründen gesucht – und dann werden auch Schuldige gefunden.“ So sei das im Fußballgeschäft, so sei es im Leben generell.
Wie es um die Einigkeit bei den Löwen bestellt ist, davon konnte sich Köllner gestern Abend (nach Red. Schluss dieser Ausgabe) bei der Aufsichtsratssitzung der Profi-KGaA überzeugen. „Geplant ist, dass ich da antanze“ sagte er am Nachmittag. Und seine Miene zeugte nicht von Unbehagen – im Gegenteil: Der Mann lächelte.
Umwandlung von Darlehen, finanzielle Weichenstellungen, machtpolitische Hahnenkämpfe – in den kalten Krieg zwischen den 1860-Gesellschaftern will sich der Trainer nicht verwickeln lassen. „Mich interessiert in erster Linie der Sport“, sagt er. Sein Vorgänger Daniel Bierofka, der am Ende zwischen den Fronten zerrieben wurde, dient ihm als abschreckendes Beispiel.
Wie lange sich die Leichtigkeit in einem so schadstoffreichen Klub wie 1860 leben lässt, ist die Frage, auf die es bis zum Jahreswechsel erste Antworten geben dürfte. Hilfreich sind in jedem Fall Siege. Und nach den Derbys gegen Bayern II (1:1) und Haching (3:2) gilt es für Köllner nun, auch dem Alltag den Geschmack des Besonderen zu geben.
„Wichtig wird sein, die nötige Spannung zu entwickeln“, sagt er mit Blick aufs Samstagsspiel gegen den patentierten Dorfklub aus Großaspach. Die vier Derbypunkte? „Ein guter Einstieg“, der das Polster auf die Abstiegszone auf beruhigende acht Zähler habe anwachsen lassen. Weitere drei Punkte wären „eine Mega-Geschichte“. Nach oben will Köllner den öffentlichen Blick trotzdem nicht richten. Überaus ratsam bei einem Club, in dem schon aus anderthalb Siegen Aufstiegsszenarien gestrickt werden.
Optimismus vorleben, ohne als Naivling angesehen zu werden – diese Gratwanderung muss Köllner meistern. „Wenn die Spieler das Gefühl haben, dass sie besser werden, dass sie Erfolg haben können, dann werden sie sich zweimal überlegen, ob sie hier weggehen“, blickt er auf die kommende Saison. Die vielen auslaufenden Verträge? Die könnten „Chance oder Verderben“ sein.
Für welche Sichtweise Köllner steht, versteht sich von selbst: „Schlimmer ist es, wenn du 30 Spieler mit langfristigen Verträgen hast, die du nicht willst. Die vom Acker zu bekommen, das ist schwierig.“ Keine Frage: Der Mann weiß, wo er ist.