Sancho und die Gerüchte

von Redaktion

Angeblich ist Liverpool am Dortmunder interessiert – doch Favre will ihn behalten

Köln/Dortmund – Die Szene hatte fast Symbolcharakter. Lucien Favre, nicht gerade als Ausbund großer Emotionalität bekannt, drückte den Kopf von Jadon Sancho mit festem Griff an seine Brust. Die Erleichterung war dem Schweizer Chefcoach von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund nach dem Abpfiff des 2:1-Zittersiegs in Unterzahl am vergangenen Samstag bei Hertha BSC anzumerken. Sancho war als Schütze zum 1:0 im Olympiastadion Wegbereiter für den befreienden Erfolg an der Spree, gehört in der Bundesliga-Scorerwertung mit fünf Treffer und sieben Vorlagen zu den Topspielern im Fußball-Oberhaus. „Solide Mannschaftsleistung“, kommentierte der britische Teenager in den Sozialen Medien, und „ein weiteres Tor“.

Eine neue Bescheidenheit bei Sancho, der laut Medienberichten zuletzt mit Champions-League-Sieger FC Liverpool in Verbindung gebracht wurde? Auch Manchester United, Manchester City und der FC Barcelona sollen interessiert sein. Die Ablöse soll weit jenseits der 100 Millionen Euro liegen, denn Sanchos Vertrag beim BVB hat noch eine Laufzeit bis 30. Juni 2022 – angeblich ohne Ausstiegsklausel.

Sportdirektor Michael Zorc verkündete immerhin zuletzt, dass er nicht den Eindruck habe, dass Sancho mit seinem Verhalten einen Wintertransfer „vorbereiten“ wolle. Die Gespräche mit dem jungen Profi und dessen Beratern hätten dies nicht bestätigt. „Jadon ist ganz normaler Spieler und Bestandteil der Mannschaft“, so Zorc.

Favre hatte ebenfalls unmittelbar vor dem Hertha-Spiel versucht, Sancho, der nicht als Disziplinfanatiker verschrien ist und schon einige Mal ausgetestet hat, wie weit er die Regeln bei der Borussia überstrapazieren darf, aus der Schusslinie zu holen. Er will ganz offensichtlich den Rohdiamanten auch in Zukunft gerne weiter selbst schleifen.

„Wir wollen nicht mehr darüber sprechen. Er hat uns immer gut geholfen, er ist ein sehr gefährlicher Spieler und ein guter Junge“, sagte Favre über den pfeilschnellen Offensivspieler, der an guten Tagen die Schwarz-Gelben mit seiner Schnelligkeit und seiner Dribbelstärke auf ein anderes Niveau heben kann, bei Sky. Allerdings kennen die BVB-Fans auch das andere Gesicht des Jadon S., der in dieser Spielzeit auch schon mal deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.

Englands Teammanager Gareth Southgate würde es wohl begrüßen, wenn das Ausnahmetalent schon bald in der Premier League spielt. Schließlich hatte er zuletzt noch moniert, Sancho sei „noch immer ein wenig unter dem Radar, was die Qualität seiner Auftritte und das Level angeht, das er jede Woche zeigt“. Dies kann als Lob verstanden werden, aber auch als Kritik, dass der Teenager bei einem großen Klub von der Insel vielleicht noch eine Schippe drauflegen würde. Als 18-Jähriger hatte das BVB-Ass im Oktober 2018 seine Premiere bei den Three Lions gefeiert.

So darf man jetzt gespannt sein, was Sancho demnächst auf den Rasen zaubern wird. Die nächste Gelegenheit besitzt er am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Fortuna Düsseldorf – alles andere als ein Startelfeinsatz von Sancho dürfte eine Überraschung sein.  sid

Artikel 1 von 11