München – Vertraut man der Statistik, könnte die Sache ganz einfach sein. Seit 2012 hat Paris St. Germain das Ziel ausgegeben, die Champions League zu gewinnen. Bisher haben es die Franzosen aber nie weiter als ins Viertelfinale geschafft. Zuletzt, also in den vergangenen drei Spielzeiten, war sogar schon im Achtelfinale Schluss. Das heißt: Ab Anfang März wurde jeweils darüber diskutiert, ob der richtige Trainer an der Seitenlinie steht.
Würde all das wieder so kommen, könnten die Verantwortlichen des FC Bayern die Pariser Achtelfinalspiele im Frühjahr entspannt verfolgen. Es ist kein Geheimnis, dass auch der eigentlich bis 2021 vertraglich gebundene PSG-Trainer Thomas Tuchel ein weiteres frühes Scheitern in der Königsklasse nicht in seinem Amt überleben würde. Tuchel wäre im Sommer dann womöglich frei, und der FC Bayern könnte im zweiten Anlauf nach dem gescheiterten Versuch 2018 zuschlagen. Die „Sport Bild“ berichtete gestern über die Option, den PSG-Coach gemeinsam mit dem derzeitigen Interims-Trainer Hansi Flick agieren zu lassen. Als Duo, das sich kennt und schätzt. Wie unsere Zeitung erfuhr, existiert dieser Plan nicht.
Laut dem Bericht soll Flick bereit sein, unter Tuchel zurück auf den Co-Posten zu rücken. Die beiden Herren wirken zwar auf den ersten Blick grundverschieden, haben aber ähnliche Ansichten vom Fußball. Vor seinem Engagement als Assistent des entlassenen Niko Kovac hospitierte Flick bei Tuchel in Paris, auch auf der Tribüne in Paris wurde er schon das eine oder andere Mal gesichtet. Die beiden Trainer stehen in Kontakt.
Vor allem Karl-Heinz Rummenigge – 2018 von Uli Hoeneß’ Werben um Jupp Heynckes überstimmt – hat immer Interesse an Tuchel, während Hasan Salihamidzic eher zu einem Engagement des derzeit vereinslosen Mauricio Pochettino neigt. Dass Flick parallel zur Trainersuche unter anderem von Henyckes als „idealer Mann“ für eine langfristige Beschäftigung bezeichnet wurde und auch die Bayern-Profis sich Woche für Woche für den 54-Jährigen aussprechen, macht die ganze Sache noch verzwickter. Eine Trainer-Verpflichtung im Winter gilt inzwischen als nahezu ausgeschlossen. Irgendwann aber, im Frühjahr, muss und wird eine Entscheidung fallen.
Oberflächlich betrachtet mag es logisch erscheinen, Flick weitermachen zu lassen und abzuwarten, wie Tuchels Lage in Paris sich entwickelt. Allerdings birgt diese angebliche Option auch zahlreiche Gefahren, um genau zu sein: zu viele. Pochettino dürfte irgendwann vom Markt sein und wohl auch keine Lust haben, als 1b- oder 1c-Lösung in München anzutreten. Und auch Erik ten Hag, im Moment an Ajax Amsterdam gebunden, würde als spät verpflichteter Kandidat zweiter Wahl Respekt einbüßen. Es wären die gleichen Fehler, die man vor zwei Jahren begangen hat, als Niko Kovac verpflichtet wurde. Keiner will sie wiederholen.
Es ist nur logisch, dass die Verantwortlichen hinter den Kulissen nach der besten Lösung suchen, man wünscht sich endlich Kontinuität auf dem wichtigsten Posten. Ein Warten auf Tuchel würde die Personalie in die Länge ziehen. Schon jetzt, einen guten Monat nach der Entlassung von Kovac, häufen sich die Fragen nach einer Weiterbeschäftigung Flicks, das Thema bestimmt nahezu jeden öffentlichen Auftritt eines Bayern-Protagonisten. Die Unruhe würde noch lange anhalten, so lange, bis Tuchel aus der Champions League fliegt. In der Vorrunde übrigens hat PSG bisher kein Spiel verloren – und sogar Real Madrid im Hinspiel mit 3:0 besiegt. HANNA RAIF