Wer stoppt den Fohlen-Galopp?

von Redaktion

Bayern-Abwehr gegen Gladbachs Hochgeschwindigkeitssturm womöglich mit Boateng

VON MANUEL BONKE

München – Wenn es am Samstag im Topspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern (15.30 Uhr, Sky) für die Münchner blöd läuft, galoppieren ihnen die Fohlen erst auf dem Platz und im Falle einer Niederlage auch in der Tabelle davon. Denn: Die improvisierte Innenverteidigung um Javi Martinez und David Alaba gilt nicht als die schnellste und muss ausgerechnet den Gladbacher Hochgeschwindigkeitssturm um Patrick Herrmann (33,9 km/h), Marcus Thuram und Breel Embolo (beide 34,5 km/h) stoppen.

Schon bei der 1:2-Pleite gegen Leverkusen hatten die Münchner Innenverteidiger massive Probleme mit dem gegnerischen Tempo und ließen sich bei beiden Gegentreffern auskontern. Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus rechnet trotzdem damit, dass Bayern auch gegen Spitzenreiter Gladbach den Ball haben, dominant auftreten und hoch stehen will. „Wie immer müssen sie natürlich dann bei Ballverlusten extrem aufpassen, damit sie gegen die schnellen Gladbacher nicht ähnliche Tore kassieren, wie von Leverkusen“, schrieb Matthäus daher in seiner „Sky“-Kolumne.

Aus der Münchner Viererkette knackte in Bundesliga-Spielen bisher lediglich Alphonso Davies die 34-km/h-Marke, auch Rechtsverteidiger Benjamin Pavard verzeichnet diese Saison lediglich einen Top-Speed von 32,53 km/h. Allerdings zog der Franzose diese Saison bereits 342 Sprints an und liegt damit in den Top-Sechs der Bundesliga. Zum Vergleich: Gladbachs Thuram kommt auf 314 Sprints. Gut möglich also, dass Bayern-Trainer Hansi Flick gegen die schnellen Fohlen personelle Veränderungen in der Münchner Abwehrreihe vornimmt, um den Gegner einzubremsen.

Vorstellbar ist, dass Flick statt Martinez lieber auf Jerome Boateng setzt. Der sieht zwar manchmal etwas behäbig aus, erreicht mit seinen inzwischen 31 Jahren aber immer noch eine Höchstgeschwindigkeit von 33,74 km/h und ist damit hinter Kingsley Coman (35,66) und Davies (34,76) drittschnellster Bayern-Spieler.

Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge macht das Münchner Geschwindigkeitsdefizit keinen Grund zur Sorge. Er blickt dem Spiel gegen Gladbach zuversichtlich entgegen: „Ich bin grundsätzlich Optimist und ich muss sagen, wenn wir so spielen, wie gegen Leverkusen, werden wir in Mönchengladbach was mitnehmen und dann schauen wir weiter.“ Der Plan von Rummenigge sah vor, dass der FC Bayern an Weihnachten von der Tabellenspitze grüßt, durch die Pleite gegen Leverkusen ist dieses Unterfangen nun etwas schwieriger geworden. „Aber die Spielqualität stimmt und à la longue werden wir mit dieser Spielqualität auch die notwendigen Punkte einfahren“, so Rummenigge.

Gegen Gladbach wäre ein Sieg auch aus Prestige-Gründen wichtig. Viele Jahre lebte der Klassiker der Bundesliga-Schwergewichte aus den 1970er Jahren nur noch von der Nostalgie, nun ist es endlich mal wieder ein echtes Topspiel. Vize-Präsident Rainer Bonhoff sagte bereits: Die Gladbacher Titelträume seien „nicht verwerflich“. Die Bayern sollten die Beine in die Hand nehmen.

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