Bayern wollen auch virtuelle Titel jagen

von Redaktion

Rummenigge erklärt die eSport-Pläne des Rekordmeisters, lässt aber keine Baller-Spiele zu

VON MANUEL BONKE

München – Uli Hoeneß, Bayern-Präsident a.D., ist bekanntlich kein großer Fan des Internet. Erst vergangene Woche ließ er bei einer Veranstaltung mit folgenden Sätzen aufhorchen: „Ich habe große Sorgen, dass es auch im Fußball in den nächsten Jahren schwieriger wird mit dem Internets, weil ja alle daddeln und nicht mehr draußen kicken wollen. Deswegen müssen wir alle miteinander daran arbeiten, dass Jugendliche sich im Freien bewegen und nicht zu Hause am Computer hocken.“

Der FC Bayern allerdings plant, das „Zu-Hause-am-Computer-Hocken“ zu professionalisieren und steht unmittelbar vor dem Einstieg in den eSport. „Wir sind intern in finalen Diskussionen. Ich kann mir vorstellen, dass wir uns im eSport den Fußballspielen zuneigen“, sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor wenigen Tagen im Rahmen der Veranstaltung „Digital Campus“. Heißt: Künftig wird beim Rekordmeister leistungsorientierter Computer-Sport betrieben. Ein Start-Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest. Andere Bundesligisten wie Werder Bremen, Deutscher Meister in der Virtual Bundesliga, oder Schalke 04 haben dieses Feld schon länger für sich entdeckt – weil man damit auch ordentlich Geld verdienen kann.

Rummenigge stellte in diesem Zusammenhang aber bereits klar, dass die Münchner lediglich ein Engagement in der Fußball-Simulation eFootball Pro Evolution Soccer (PES) vom japanischen Spiele-hersteller Konami anstreben. Mit Konami pflegt der FC Bayern seit vergangenem Sommer eine Partnerschaft. „Wir wollen Erfahrung sammeln auf dem Gebiet und wir werden zeitnah eine Entscheidung fällen. Ich kann mir vorstellen, dass es die pro eSport Soccer sein wird“, sagte der Vorstandsboss.

Erstaunlich wäre ein PES-Einstieg jedoch, da Konkurrent FIFA von Electronic Arts im eSport wesentlich fester verankert ist. Die offizielle WM-Serie wird mit FIFA gespielt – wie auch die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) organisierten VBL Club Championship. In der Liga spielen die eSport-Abteilungen von 22 Profiteams ihren Meister aus. „Wenn, dann mit unserem Partner – wir sind für Partnerschaften bekannt“, erklärte Rummenigge die Entscheidung.

Was die Verantwortlichen hingegen komplett ausschließen, ist ein Einstieg in beliebte Titel abseits des Sport-Genres, wie beispielsweise das Ego-Shooter-Videospiel Counter-Strike oder Fortnite aus dem Battle-Royal-Genre. Letzteres zockten am Mittwoch erst zahlreiche Bundesliga-Profis für den guten Zweck, unter anderem Marco Reus und Timo Werner. Als Beispiel könnte den Fußballern die Münchner Basketball-Abteilung dienen, die schon jettzt ein eSport-Team im Spieltitel NBA2K unterhält und das beste europäische Team stellt.

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