Ismaik wendet Insolvenz ab

von Redaktion

Investor wandelt Darlehen über 4,8 Millionen in Genussscheine um – ohne Bedingungen

VON ULI KELLNER UND LUDWIG KRAMMER

München – Kabarett im VIP-Stadl, Adventssingen im 60er-Stadion, Netzwerkabend im Klinikum Rechts der Isar. Michael Köllner lässt keine Veranstaltung aus, um den Löwen-Kosmos im Zeitraffer zu erforschen. Und, durchaus bemerkenswert: Der neue Chefcoach geht nicht nur dahin, wo’s lustig, feierlich oder unterhaltsam zugeht, sondern auch dahin, wo’s wehtun kann. Zum Beispiel bei der Sitzung des KGaA-Aufsichtsrats am Mittwochabend. Dort, wo beide Gesellschafterseiten um die Zukunft des tief gespaltenen Traditionsvereins feilschen.

Am Tag nach seinem Antrittsbesuch in der paritätisch besetzten Herrenrunde wusste Köllner gemäß seinem Naturell nur Positives zu berichten. „Von meiner Seite aus war es ein tolles Gespräch, ein tolles Kennenlernen“, schwärmte der Nachfolger von Daniel Bierofka. „Ich glaube, es ist immer gut, wenn man sich den wichtigsten Gremien vorstellen kann. Eine persönliche Vorstellung macht Sinn. Für mich war es eine kurzweilige Veranstaltung vor einem sehr interessierten Aufsichtsrat.“

Positiv war auch das Ergebnis, das laut Geschäftsführer Günther Gorenzel in Kürze offiziell vermeldet werden soll. Unsere Zeitung erfuhr schon jetzt: Die Insolvenzgefahr in der ausgegliederten Profi-KGaA ist fürs Erste gebannt. Hauptgesellschafter Hasan Ismaik ließ übermitteln, dass er die bis zum Jahresende erforderliche Darlehenswandlung in Höhe von 4,8 Millionen Euro vornehmen werde. Bedingungen dafür wurden nicht gestellt. Unterm blauen Christbaum werden also wieder Genussscheine mit Eigenkapitalcharakter liegen. Was allerdings nicht heißt, dass die Löwen nun mehr Geld für Verstärkungen oder Vertragsverlängerungen zur Verfügung haben.

Denn: Rücklagen für eine drohende Strafzahlung an den DFB in Höhe von 480 000 Euro wurden – anders als im Sommer angekündigt – nicht gebildet. Die finanzielle Perspektive steht und fällt ohnehin mit der avisierten Kapitalerhöhung, sprich einem Verkauf weiterer nicht stimmberechtiger Aktien an einen dritten Gesellschafter. Gespräche darüber laufen seit Wochen. Neben der Einigung der Gesellschafter bedarf es dafür auch einer Zustimmung der Mitgliederversammlung.

Gorenzel, der gestern an der Seite von Köllner die Presse empfing, bemühte mal wieder eine seiner Lieblingsvokabeln, die von der großen Löwen-Familie. Er mahnte, in die Zukunft gerichtet: „Alles, was zur Spaltung beiträgt, schadet der Entwicklung. Wenn wir es weiterhin schaffen, positiv in eine Richtung zu denken, dann bin ich voll überzeugt, dass wir eine tolle Saison spielen werden.“

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