Mehr als nur ein Flirt

von Redaktion

FORMEL 1 Die Anzeichen verdichten sich, dass Lewis Hamilton ab 2021 für Ferrari fährt

München – Noch ist es „nur“ gegenseitiges Flirten, doch das Aufgebot für die Megahochzeit ist wohl schon bald bestellt. In der Formel-1-Szene gilt es als wahrscheinlich, dass es die Traumhochzeit zwischen Lewis Hamilton (34) und Ferrari 2021 geben wird. Dazu muss man die Mechanismen der Formel 1 kennen. Was wie gesagt wird. Sowohl Ferrari-Teamchef Mattia Binotto, Mercedes-Teamchef Toto Wolff wie auch Hamilton selbst schließen es nicht mehr aus. Das heißt eine Menge. Noch vor einem halben Jahr hatte Binotto erklärt: „Kein Thema.“ Jetzt sagt er: „Es ist gut zu wissen, dass ein so außergewöhnlicher Fahrer auf dem Markt ist. Aber wir werden erst im Sommer nächsten Jahres über 2021 nachdenken.“

Warum er das sagt, ist klar: Sein oberster Chef John Elkann hat sich bereits mit Hamilton getroffen. Er gilt als Fan des Briten und will ihn unbedingt bei Ferrari haben. Auch, weil er sich dann die Verpflichtung des Megastars an die Fahnen seiner Regentschaft bei Ferrari und Fiat heften kann.

Auch Toto Wolff schließt einen Wechsel seines Starpiloten nicht mehr aus. Auf „25 Prozent“ schätzt er aktuell die Wahrscheinlichkeit für den Absprung Hamiltons zu den Roten.

Hamilton selbst redet ebenfalls offen wie nie. Sein Treffen mit Elkann bestätigte er auf seine Weise. Das sei privat. Heißt: Ja, es stimmt.

Bei den Silbernen kann der sechsmalige Weltmeister eigentlich nur noch verlieren: Mit dem Machtwechsel bei Mercedes hat es das Formel-1-Team schwerer als in der Vergangenheit. Mit Ola Källenius an der Spitze des Konzerns weht ein anderer Wind. Der Schwede ist Fachmann, aber nicht unbedingt Fan der Königsklasse. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass er Ende 2020 das Team verkauft und nur noch Motoren liefert, um einerseits Geld zu sparen – und andererseits trotzdem weiter die Marketingplattform Königsklasse zu nutzen. Es kann gut sein, dass Hamilton diese Gedankenspiele auch schon kennt.

Das stärkste Argument für einen Hamilton-Wechsel zu Ferrari aber ist ein anderes: Wer den Briten kennt, weiß: Seit er in seiner Kindheit in Stevenage wegen seiner Hautfarbe gemobbt wurde, hat er das Bedürfnis, es der ganzen Welt zu zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Ein WM-Titel mit Ferrari würde ihn endgültig in den Olymp befördern, er würde dann zu Rekordweltmeister Michael Schumacher aufschließen. Und er könnte auch ein wenig an Ayrton Sennna zurückzahlen – sein Idol. Hamilton weiß, dass der Brasilianer seine Karriere bei Ferrari beenden wollte. Sein Tod verhinderte das.

Sebastian Vettel, aktuell in Diensten von Ferrari, muss jetzt wegen der Hamilton-Spekulationen schleunigst an seine eigene weitere Karriereplanung denken. Alles, was gesagt wurde, geht ganz klar in eine Richtung: Der Deutsche spielt ab 2021 bei Ferrari keine Rolle mehr. Das sollte ihm bewusst sein. RALF BACH

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