München – Dieses Foto vom 8. März des laufenden Jahres reicht eigentlich, um die Zielstellung der deutschen Skeletonis zu benennen. Bei der WM in Whistler strahle Tina Hermann als Weltmeisterin, neben ihr standen auf dem Podium in Jacqueline Lölling und Sophia Griebel ihre beiden Teamkolleginnen. „Dieser Erfolg“, sagt Bundestrainer Dirk Matschenz, „war historisch“, und er sieht auch für die an diesem Wochenende in Lake Placid beginnende Saison das Luxusproblem, das außer ihm kein anderer Skeleton-Cheftrainer hat: „Von meinen Mädels verliert keine gerne.“
Matschenz hat die Weltspitze in den eigenen Reihen versammelt, alle drei seiner gesetzten Sportlerinnen können auf jeder Bahn der Welt um den Sieg mitfahren. Starten wollen sie am liebsten gleich sofort, und aufhören erst, wenn die Medaillen bei der Heim-WM in Altenberg im kommenden Frühjahr vergeben sind. „Wir pushen uns gegenseitig“, sagt Lölling, Gesamtweltcupsiegerin der Olympia-Saison. Der Konkurrenzkampf führe dazu, „dass wir alle im Training und im Materialbereich an die Grenzen gehen“.
Besonders spannend war die Tüftelei heuer in der Vorbereitung. Weil ab morgen eine Regeländerung in Kraft tritt und das Maximalgewicht von Schlitten und Sportler angehoben wurde, weiß Matschenz noch nicht genau, was ihn in dieser Saison erwartet. Bei den Männern liegt der Grenzwert jetzt bei 120 kg (früher 115 kg), bei den Frauen beträgt das Maximalgewicht 102 kg (früher 92 kg). Heißt also: Schwere Sportler müssen mit einem leichteren Gerät fahren, leichtere können ein schweres Gerät nutzen, um möglichst nah an die Grenze zu stoßen.
Matschenz spricht von „wenigen betroffenen Fällen weltweit“, in seinem Team aber musste vor allem Lölling sich umstellen. Die mit Abstand Größte im Team muss „einen etwas leichteren Schlitten fahren und ein wenig auf das Körpergewicht achten“. Für sie wird es am Start aber leichter als für ihre Konkurrentinnen, die einen schwereren Skeleton in die Bahn bringen müssen.
Auf die Zielstellung haben die Regeländerungen keine Auswirkungen. Bei den Herren um den deutschen Meister Alexander Gassner, Felix Keisinger (Königssee) und Axel Jungk geht es um Podestplätze – und bei den Damen um möglichst viele strahlende Siegerfotos. hlr