Playoff-Gefühl mitten im Dezember

von Redaktion

EHC München unterliegt Mannheim in der Verlängerung

München – Es ist Dezember, erst knapp die Hälfte der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gespielt. Doch die 5520 Zuschauer in der Eishalle am Oberwiesenfeld erlebten einen Zeitsprung: Als wäre schon Frühjahr und Playoff-Time, eine solche Intensität hatte das gestrige Match. Im Spitzenspiel Erster gegen Dritter kam der EHC München in den letzten beiden Minuten durch zwei Treffer von Parkes von einem 0:2 zurück und rettete sich in die Verlängerung. Große Spannung – die sich aber nach 41 Sekunden auflöste: Ben Smith mit dem Treffer zum 3:2 (1:0, 0:0, 1:2, 1:0)-Verlängerungssieg der Adler.

München gegen Mannheim war nicht nur aufgrund der Vizemeister-Meister-Konstellation das Sonntagsspiel mit der größten Strahlkraft, sondern auch wegen des auf dem Eis versammelten Talents. Die Scouts aus der NHL bekamen vier Spieler zu sehen, die die deutschen U 20-Junioren bei der Weltmeisterschaft in Tschechien vertreten werden, drei von ihnen noch ungedraftet, zwei, die 17-jährigen Tim Stützle (Mannheim) und John-Jason Peterka (München), mutmaßliche Erstrundenpicks, wenn im Sommer 2020 die nordamerikanischen Vereine die Rechte am Nachwuchs unter sich aufteilen.

Auch U 20-Nationaltrainer Tobias Abstreiter weilte unter den 5520 Zuschauern in der Halle am Oberwiesenfeld – diese Woche beginnt die Vorbereitung seines Teams, vom EHC wird er Peterka, Justin Schütz und Dennis Lobach ins Trainingslager einziehen – was die Münchner bei ihrer derzeitigen Personallage schmerzt. Gestern hatten sie noch ihre Junioren zur Verfügung, für dieses Kalenderjahr letztmals in der DEL – bei acht meist langfristigen Ausfällen.

Eine Parallele zwischen München und Mannheim: Beide hatten Ausfälle auf der Torhüterposition. Dem EHC fehlten beide Stammkeeper (Aus den Birken, Reich), erneut musste Daniel Fießinger vom Oberligisten SC Riessersee in den Kasten. Binnen einer Woche sein vierter Einsatz bei den EHC-Profis. Die Adler müssen seit Kurzem ohne ihren Playoff-Star Dennis Endras auskommen, dafür darf jetzt Johan Gustafsson spielen. Der Schwede ist jedoch kein Nobody, er war Goalie von Frölunda Göteborg beim Champions-League-Finalsieg im Februar. Beide Keeper hielten hervorragend.

Gustafsson profitierte von guter Arbeit seiner Vorderleute, die viel blockten und im ersten Drittel nur fünf Münchner Schüsse aufs Tor zuließen. Im zweiten Durchgang stoppte er den auf ihn zubrausenden EHC-Kapitän Patrick Hager. Gegenüber eine Großtat von Daniel Fießinger, der bei einem Konter von Andrew Desjardins, einem der besten Stürmer der DEL, abgebrüht stehen blieb und sich nicht verladen ließ.

Es war Schwerstarbeit, Tore zu erzielen. Es fielen aber doch welche: Für Mannheim durch David Wolf (18.) und einen Kunstschuss von Nico Krämmer (42.), ehe München im finalen Ansturm Trevor Parkes mit 112 und 8 Sekunden Restspielzeit in Position brachte. Doch dann: Ben Smith. Listig ins Eck. Ende. GÜNTER KLEIN

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