Fehlschuss
Jede Saison einmal erlebt die Bundesliga einen unvergesslichen Fehlschuss eines Stürmers. Verwiesen wird dann immer auf die ewige Nummer eins dieser Rangliste: Frank Mill 1986. Der Dortmunder hatte vor 33 Jahren das leere Tor des FC Bayern vor sich, gemütlich, den Ball am Fuß, steuerte er dem Abschluss entgegen. Als er bemerkte, dass von hinten ein Münchner Verteidiger heranschnaubte, überkam ihn die Panik, seine Aktion doch etwas schneller als geplant zum Abschluss zu bringen. Resultat: Er schoss aus einem Meter an den Pfosten. Kein Tor.
Die Frage, ob seine eigene Situation an die von Frank Mill erinnere, konnte Marco Richter vom FC Augsburg am Samstag nicht beantworten. Richter ist 22, er weiß nicht, wer Frank Mill war. So ist das: Aktuelle Fußballer haben ein viel geringeres historisches Wissen als ihre Fans, die in der Regel ja auch deutlich älter sind. Marco Richter kann nun aber natürlich auf YouTube anschauen, wie das damals bei Mill lief.
Bei ihm selbst war es gegen Mainz so, dass der starke Augsburger Kollege Ruben Vargas eine spezielle Situation geschaffen hatte: Die drei FCA-Stürmer alleine vor dem Mainzer Torhüter Robin Zentner. Vargas passte zu Richter, der die beste Abschlussposition hatte. Jedoch: Er schoss ans Außennetz. Dieser Lapsus hing ihm lange nach: Eine halbe Stunde später traf er zum 1:1. Er jubelte nicht, sondern senkte den Kopf. Erst nach dem 2:1 gewonnenen Spiel war der Vize-Europameister mit der U 21 wieder gelöst: „Geil, dass mir noch ein Tor gelungen ist.“ Aufgebaut hatte ihn sein 35-jähriger Mitspieler Stephan Lichtsteiner, der zu Richter spontan sagte, eine Karriere habe nun mal Ups und Downs. Richter: „Das hat mich gepuscht.“
Freistöße
Kurz vor Schluss kam der SC Freiburg gegen den VfL Wolfsburg doch noch zum Siegtreffer. Es war kein sonderlich gutes Spiel, ein 0:0 hätte gepasst. Doch dann legte sich Jonathan „Johnny“ Schmid den Ball zurecht. Freistoß aus 25 Meter – drin. Es war das achte Freistoßtor seiner Bundesligakarriere, Schmid ist der Kunstschütze der Szene. Der Elsässer spielt zum zweiten Mal für den SC Freiburg. Früher war er ein Aufsehen erregender Offensivdribbler, er schien zu groß zu werden für das kleine Freiburg. Er wechselte zu Hoffenheim – und verschwand in der Versenkung. Aus der kam er auch bei seinem nächsten Verein, dem FC Augsburg, lange nicht hervor. Schmid fehlte es an der körperlichen Fitness, er galt als Fehleinkauf. Unter Manuel Baum wurde er zum rechten Verteidiger umgeschult – und er entdeckte sein Talent für den ruhenden Ball. Johnny Schmid wurde Spezialist für Freistöße. Augsburg hätte ihn in dieser Rolle behalten, doch weil die Einschulung der Kinder bevorstand, wollte Schmid zurück nach Freiburg.
Bayern-Bezwinger
Ein ungeschriebenes Gesetz der Bundesliga lautet: Überraschungen gegen den FC Bayern bereut man. In der Regel schon eine Woche später. Weil zu viel an Energie (geistiger wie körperlicher) verloren geht, wenn man den Münchnern ein Schnippchen schlägt.
Ein Beispiel dafür ist Eintracht Frankfurt. Ergebnisse nach dem 5:1-Coup gegen die Bayern: 0:1 in Freiburg, 0:2 gegen Wolfsburg, 1:2 in Mainz, 2:2 gegen Hertha.
Anders jedoch Hoffenheim, das beflügelt vom 2:1-Triumph in Fröttmaning Schalke. Berlin, Paderborn und Köln schlug. Erst sechs Wochen nach dem Erlebnis von München endete Hoffenheims Serie.
Nun strebt Leverkusen eine an. Vorige Woche der 2:1-Streich bei den Bayern, nun ein 2:1-Heimsieg gegen Schalke. „Erste Halbzeit richtig guter Fußball, zweite Halbzeit gut gekämpft“, fasste Trainer Peter Bosz zusammen. Kapitän Lars Bender: „Wir haben die Punkte aus München vergoldet. Sonst lohnt es sich nicht, in München zu gewinnen.“ Bayer steht nun vor Bayern – Flucht nach vorne vor dem Fluch. GÜNTER KLEIN