Salzburg – Jürgen Klopp applaudierte seinem Gegenüber Jesse Marsch demonstrativ und umarmte ihn, dann gratulierte der Star-Trainer des FC Liverpool seinen erleichterten Spielern. Das Horrorszenario Vorrunden-Aus ist souverän abgewendet, der Titelverteidiger steht nach dem verdienten 2:0 (2:0) im „Endspiel“ bei RB Salzburg sogar als Gruppensieger im Achtelfinale der Champions League – und trifft auf dem Weg ins Endspiel am 30. Mai zunächst auf einen vermeintlich leichteren Gegner.
„Es war sehr schwer. Sie haben so viele clevere Dinge gemacht, aber wir hatten wirklich große Chancen“, sagte Klopp: „Es war ein sehr intensives Spiel. Dann haben wir zwei wundervolle Tore erzielt, aber wir hätten sechs oder sieben erzielen können.“ Liverpools Abwehr-Star Virgil van Dijk erklärte: „Es war ein sehr hartes Spiel gegen einen starken Gegner. Wir wussten, dass es intensiv werden würde. Aber wir haben es gut gemacht. Zu Null gespielt, gewonnen, eine Runde weiter.“
Der frühere Leipziger und Salzburger Naby Keita per Kopf (57.) und Mohamed Salah mit einem Kunstschuss fast von der Torauslinie (58.) ließen Klopp mit ihrem Blitz-Doppelschlag jubeln. RB-Jungstar Erling Haaland ging erstmals in der Champions League leer aus und knallte nach Abpfiff frustriert eine Trinkflasche auf den Rasen.
Eine Neuauflage des Vorjahresduells mit dem FC Bayern in der ersten K.o.-Runde ist für Liverpool ausgeschlossen, weil auch der deutsche Rekordmeister seine Gruppe B gewonnen hat. Die Reds setzten sich als Sieger der Staffel E vor dem SSC Neapel durch. Salzburg, das als erstes Team aus Österreich das Achtelfinale hätte erreichen können, überwintert in der Europa League.
Nur 192 Tage nach dem Triumph von Madrid drohte Klopp gegen mutige Österreicher als erst zweitem Titelverteidiger nach dem FC Chelsea in der Saison 2012/13 das Vorrunden-Aus. Entsprechend gab der frühere Dortmunder an der Seitenlinie wie gewohnt alles. Er trieb an, munterte auf und – wenn es sein musste – bequatschte er den Vierten Offiziellen oder den Schiri-Assistenten. Die Tore seiner Elf bejubelte Klopp ausgelassen.
Die Gastgeber zogen bei ihrem „Spiel der Spiele“ zumindest neben dem Platz alle Register. „Wir sind nicht Barca oder Real, aber wir sind bereit für unseren verdammten Traum! Des is Soizburg!“, stand bei der Choreographie in Weiß auf blauen Bannern. Dann aber kamen Keita und Salah. Salzburgs Traum platzte – und Klopps lebt. sid