München – Seit fünf Jahren ist Hansi Flick schon nicht mehr beim DFB tätig, die Zeit an der Seite von Espresso-Liebhaber Joachim Löw hat jedoch offensichtlich ihre Spuren hinterlassen. Anstatt nach der Abschluss-Presserunde vor der letzten Gruppenspiel in der Königsklasse heute Abend gegen Tottenham (21 Uhr, Sky) wieder im Spielertrakt der Allianz Arena zu verschwinden, gesellte sich der Münchner Cheftrainer auf einen Plausch zu den Journalisten, schnappte sich am Buffet noch eine Breze und goss sich – Löw lässt grüßen – einen Kaffee ein. Aufregung? Nervosität nach zwei Ligapleiten in Folge und dem Abrutschen auf Tabellenplatz sieben? Fehlanzeige!
„Wie die Mannschaft Fußball spielt, gefällt mir“, ließ der frühere Löw-Assistent vor dem sportlich bedeutungslosen Spiel gegen die Spurs von Startrainer José Mourinho wissen. „Die Richtung“ stimme, so Flick mit Blick auf das Spiel seiner Mannschaft, die auch in Gladbach (1:2) über weite Strecken das Geschehen dominiert, dieses aber erneut nicht in Zählbares ummünzen konnte. Flick weiß: „Es zählen Punkte, Tore – und hier haben wir zu wenig geschossen. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis und wollen ein gutes Spiel zeigen.“
Zumal die Partie gegen Tottenham trotz der nicht vorhandenen sportlichen Relevanz (beide Teams sind bereits qualifiziert) einen kleinen, aber durchaus beachtlichen Bonus für die Bayern birgt. Sollte der Rekordmeister Mourinhos Männer nach dem 7:2 im Hinspiel erneut schlagen, so würden sich die Münchner zur ersten deutschen Mannschaft küren, die mit sechs Siegen aus sechs Spielen in die K.o.-Runde der Champions League einzieht (siehe Kasten).
Derartige Fleißsternchen genießen bei Spielern in der Regel keinen besonders hohen Stellenwert, angesichts des aktuellen Gewitters über der Säbener Straße würde Thomas Müller den Rekord aber doch nur allzu gerne mitnehmen. „Er ist mir sehr wichtig, da es das bedingt, dass wir wieder zurück in die Spur finden“, so der Weltmeister mit einem Lächeln.
Bei seinen Ausführungen zur Lage in der Liga verschwand das Müllersche Grinsen wieder aus dem Gesicht. „Wir haben schon vier Spiele verloren, das haben wir in vielen Spielzeiten auf die ganze Saison nicht gehabt“, rief der Vizekapitän mahnend in Erinnerung. Seine Augen visierten dabei den Fragesteller an, es schien jedoch so, als ob sich Müller vorstellte, dass Gladbacher oder Leipziger dort unten im Publikum säßen. „Die Gegner wissen, dass uns Punkte fehlen. Aber sie wissen auch, dass wir kommen. Die Bundesliga hat die Spiele gesehen und weiß, dass mit uns zu rechnen ist – auch, wenn wir Rückstand haben.“
Sagte er und verschwand wieder im Spielertrakt. Ohne Kaffee.
Müller mahnt: So viele Spiele verloren wie manchmal in einer ganzen Saison