München – „King der Karibik“ steht in roten Lettern auf der Dezember-Ausgabe des Bayern-Vereinsmagazins „51“. Die Titelgeschichte handelt von Kingsley Coman. Mit Blick auf die aktuellen Leistungen des Flügelflitzers müsste die Zeile allerdings eher lauten: Sorgenkind an der Säbener Straße.
Der Franzose wartet seit dem 31. August auf eine Torbeteiligung in der Bundesliga. Damals, beim 6:1 gegen Mainz, schoss Coman das 4:1 – auch da war sein Treffer also nicht spielentscheidend. Der 23-Jährige steht damit sinnbildlich für die lahmen Flügel des FC Bayern. Denn auch Serge Gnabry blieb nach seiner Vier-Tore-Gala gegen Tottenham Anfang Oktober gleich in sechs Partien ganz ohne Beteiligung an einem Münchner Erfolgserlebnis. Und das, obwohl er nach Teamkollege Robert Lewandowski (65 Versuche) und Leipzigs Knipser Timo Werner (59) die meisten Torschüsse aller Bundesligaspieler abgab – bisher 44. Zur Einordnung: Lewandowski steht bei 16 Liga-Treffern, Werner bei 15, Gnabry bei vier.
Bei der Niederlage in Mönchengladbach blieb der deutsche Nationalspieler auf der Bank, Hansi Flick wollte nach muskulären Problemen kein Risiko eingehen. Die (Außen-)Bahn war also frei für den King der Karibik – doch der traf wieder nicht. Coman spielte nicht schlecht, wie so oft fehlte seinen Aktionen aber etwas – entweder die letzte Entschlossenheit oder die Krönung durch einen Teamkollegen. Die Zahlen zeigen: Der Franzose verliert fast zwei Mal pro Partie den Ball, doppelt so häufig wie Gnabry, Ivan Perisic und Philippe Coutinho.
Hansi Flick steht trotzdem voll hinter seinem Flügelflitzer. „Kingsley hat Qualitäten, die wenige im Fußball haben. Er ist ein feinfühliger Spieler, der sehr viel Selbstvertrauen braucht“, erklärte der Bayern-Trainer gestern. „Wir versuchen, ihn zu unterstützen und hoffen, dass irgendwann der Knoten platzt. Gerne auch gegen Tottenham.“ Die lahmen Flügel spielen auch beim derzeitigen Münchner Chancenwucher eine Rolle. Thomas Müller meinte: „Wir anderen Offensivspieler müssen mehr in die Bresche springen und Verantwortung übernehmen. Vielleicht muss der eine oder andere sein Spiel verändern – auch ich.“ Und womöglich auch der King aus der Karibik. jau