Coman-Schock bei Rekord-Sieg

von Redaktion

Historisches 3:1 der Bayern gegen Tottenham wird durch Verletzung getrübt

VON HANNA RAIF

München – Das Knie von Kingsley Coman hatte eine Stellung eingenommen, die alles andere als gesund aussah. Noch während gestern Abend in der Allianz Arena die erste Halbzeit zwischen dem FC Bayern und Tottenham Hotspur lief, kursierten Fotos der Aktion, die man lieber nicht zweimal sehen möchte. Das linke Bein des Franzosen, vollkommen überstreckt, als er versuchte, einen Pass an der linken Außenbahn zu erlaufen. Dann hob Coman ab und blieb erst mal liegen. Als Thomas Müller (45.) und Coutinho (64.) zum 3:1 (2:1) trafen, war der Torschütze zum 1:0 (14.) schon lange in den Katakomben verschwunden. Man kann sich kaum vorstellen, dass er so schnell wieder Fußball spielen wird.

Dieser Abend, an dem man sich in Bayern-Reihen als erste deutsche Mannschaft über eine punktetechnisch perfekte Champions League-Gruppenphase freute, wurde durch den Ausfall freilich getrübt. Sechs Spiele, sechs Siege – und die von Hansi Flick auf fünf Positionen veränderte Mannschaft hatte dazu ein gutes Spiel gemacht. Der Gegentreffer durch Ryan Sessegnon (20.) fiel nicht ins Gewicht, weil die Offensivreihe um Coman bzw. den eingewechselten Müller, Ivan Perisic und Serge Gnabry funktionierte. Nach zwei Niederlagen trafen die Bayern auch ohne den geschonten Robert Lewandowski wieder das Tor, Tottenham hatte nicht viel entgegenzusetzen. Es wurde kein 7:2 wie im Hinspiel – aber ein verdienter Sieg gegen das Mourinho-Team.

Die Bayern standen schon vor der Partie als Gruppensieger fest, bei der Auslosung der Achtelfinals erwartet sie ein vermeintlich kleinerer Gegner. Ob sie selbst eine große Mannschaft sind, können sie ab dem Frühjahr beweisen, mit oder ohne Flick. Gestern zumindest strahlten sie von Beginn an das Selbstverständnis aus, das in der Hinrunde so oft gefehlt hatte. Die erste Chance hatte Gnabry aus leichter Abseitsposition, Benjamin Pavard und Thiago scheiterten kurz hintereinander, ehe Coman die Führung besorgte. Der Querpass des agilen Gnabry erreichte den Franzosen mit etwas Glück, er verwertete ihn aber aus gut elf Metern halblinker Position eiskalt. Das Tor war schon zu diesem Zeitpunkt verdient, weil die Bayern – im Mittelfeld von Joshua Kimmich und Thiago angetrieben – den Zug nach vorne hatten und Tottenham wenig Angriffsfläche boten. Dass es schnell zum Ausgleich kam, war daher überraschend. Ein Ball von Lo Celso wurde von Boateng (neben Javi Martinez in der Innenverteidigung) abgefälscht, Sessegnon hatte auf der linken Seite freie Schussbahn.

Der Unterhaltungswert flachte für die 70 00 Zuschauer nach der intensiven Anfangsphase ab, Bayern dominierte aber weiter. Sissokko hätte Tottenham in Führung bringen können (33.), doch dann drehten die Hausherren wieder auf. Gnabry traf den Pfosten, Alphonso Davies ebenso – dessen Abpraller aber verwertete Müller ins leere Tor. Vor dem Seitenwechsel schoss auch noch Coutinho ans Aluminium.

Die Bayern kamen frisch aus der Kabine, allen voran eben dieser Coutinho. Der Brasilianer versuchte es mit einem Schuss und einem Freistoß, ehe er in der 64. Minute alles klar machte. Nach einem Pass von Davies zog er mit dem Innenrist aus 17 Metern ab zum 3:1. Apropos Davies: Eine gelungene Defensivaktion des Jungstars wurde frenetisch bejubelt, sein Sprint verhinderte womöglich den Anschluss. Auch die Kollegen lobten ihn. Nur Coman nicht, der hatte das Stadion auf Krücken verlassen.

Artikel 1 von 11