Rauswurf beim Dinner

von Redaktion

Napoli-Boss De Laurentiis entlässt Ancelotti – Gattuso übernimmt

Neapel – Beim Dinner im edlen Hotel Vesuv verging Genussmensch Carlo Ancelotti sogar die Freude am geliebten Rotwein: Für den früheren Trainer des FC Bayern geriet nach dem Einzug mit dem SSC Neapel ins Champions-League-Achtelfinale durch ein 4:0 gegen KRC Genk das nächtliche Essen mit Clubboss Aurelio De Laurentiis zum „letzten Abendmahl“, wie der „Corriere dello Sport“ schrieb. Denn danach war Ancelotti seinen Job los.

Die Reaktionen auf den Rauswurf des 60-Jährigen, für den Ex-Weltmeister Gennaro Gattuso das Kommando beim italienischen Vizemeister übernehmen wird, spiegelten die Skurrilität der Entscheidung wider: „Es bleibt der Fleck eines indiskutablen Verhaltens von De Laurentiis. Ancelotti hat, obwohl er auch nicht wenige Fehler gemacht, eine solche Behandlung nicht verdient“, kommentierte die „Gazzetta dello Sport“.

Allerdings hatte Ancelotti, der nun als neuer Coach des FC Arsenal gehandelt wird, seine Entlassung bei Napoli nach rund 18 Monaten schon vor dem Duell mit Genk vorausgeahnt. „Ein Trainer sitzt immer auf gepackten Koffern“, meinte er zu Fragen nach Konsequenzen aus dem gestörten Vertrauensverhältnis zu De Laurentiis. Ancelotti, der Coach mit reichlich Erfahrungen bei kapriziösen Topclubs (Juventus Turin, AC Mailand, FC Chelsea, Paris St. Germain, Real Madrid, FC Bayern) erwartete offenbar seinen Rauswurf beim SSC.

Nach einer Misserfolgsserie von neun Pflichtspielen ohne Sieg kam der Erfolg gegen Genk zu spät. Obwohl ihn die Tifosi nach dem 4:0 feierten und die Spieler den Trainer herzlich umarmten, blieb Ancelotti auf dem Rasen des Stadio San Paolo tief in sich versunken – und fuhr dann erhobenen Hauptes („Ich habe noch nie aufgegeben und werde es niemals tun“) zum Essen mit De Laurentiis.

Das Tischtuch zwischen den beiden „Alphatieren“ war nach wochenlangem Chaos schon lange vorher zerschnitten. Napolis Boss verübelte Ancelotti sehr, Anfang November seine Anweisung nach dem enttäuschenden 1:1 im Champions-League-Gruppenspiel gegen RB Salzburg zur sofortigen Weiterfahrt von Mannschaft und Trainer aus dem Stadion in ein „Straftrainingslager“ einfach ignoriert zu haben. Nachdem Ancelotti da nicht mitspielte, fiel es in der Folge auch wohl seinen Spielern relativ leicht, die Anordnung von De Laurentiis nicht zu befolgen.

Vor diesen Hintergründen war Neapels Absturz in der Serie A auf Platz sieben – acht Punkte hinter den Champions-League-Rängen – für den Multimillionär ein geradezu herbeigesehnter Anlass für die längst beschlossene Trennung. Einen ungünstigeren Zeitpunkt allerdings hätte De Laurentiis nicht wählen können.

Ancelottis Nachfolger Gattuso, der im vergangenen Sommer beim AC Mailand gehen musste und bereits am Mittwochabend in Neapel vorgestellt wurde, muss sich auf treue Anhänger seines Vorgängers einstellen. „Ich werde“, sagte SSC-Stürmer Kalidou Koulibaly nach dem Sieg gegen Genk jedenfalls und wirkte dabei wie ein Sprecher des gesamten Teams, „immer an Ancelottis Seite stehen.“   sid

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