Besser geht’s nicht! Sechs Spiele, sechs Siege, und wäre noch ein einziges Törchen dazu gekommen, hätte der FC Bayern neben dem deutschen Champions-League-Gruppenphasen-Rekord auch noch die Tor-Bestmarke des FC Barcelona eingestellt. Aber gut. Man muss ja auch noch Ziele für die Zukunft haben – wenn man so eine Überflieger-Mannschaft ist, wie es auf dem Papier steht.
Irgendwie ist es schon kurios, dass nach einer Hinrunde, die an Unruhe kaum zu überbieten war, eine derartige Ausbeute auf der europäischen Bühne herausgesprungen ist. Nimmt man die Königsklasse als Maßstab, hat Manuel Neuer schon recht mit seinem Satz: „Wir werden in Europa ernst genommen.“ Nicht jeder Auftritt war ein Feuerwerk wie jenes 7:2 in Tottenham. Aber die Bayern haben weder unter Niko Kovac noch unter Hansi Flick Punkte gelassen und immer ein Tor mehr geschossen als der Gegner. Egal, wie viel Krise gerade war.
Es steht außer Frage, dass diese Mannschaft das Potenzial hat, auch in der K.o.-Phase – in der heuer übrigens erstmals lediglich Teams aus den Top-Fünf-Ligen England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich stehen – ein Wörtchen mitzureden. Dazu braucht es gute Tage und sicher auch etwas Glück. Wenn der positive Spieltrend unter Flick aber anhält und in der Defensive in Lucas Hernandez zumindest ein schneller Verteidiger zurückkehrt, darf man optimistisch ins Frühjahr blicken. Das tut nach einem Jahr voller Sorgenfalten doch gut.
Grund zum Grübeln gibt es heuer dafür im Alltag – und deshalb sind selbst die letzten Tage des auslaufenden Fußball-Jahres für die Bayern so wichtig wie selten. Neun Punkte gegen Bremen, Freiburg und Wolfsburg sind nicht nur für das Binnenklima wichtig, sondern mit Blick auf die Tabelle sogar Pflicht. Denn auch wenn man bisher national und international zwei Gesichter gezeigt hat, hängen die Wettbewerbe am Ende doch zusammen.
Im Vorjahr war die Aufholjagd in der Liga dadurch begünstigt, dass in der Champions League im Achtelfinale Schluss war. Der sonst oft langweilige Alltag wurde zum Haupt-Geschäft, man konnte die Kräfte bündeln. Heuer hingegen haben die Bayern zum einen national mehr als einen Widersacher und zum anderen noch immer kein Team, dem man zutraut, auf allen Hochzeiten bis zum Schluss zu tanzen. Es würde sich daher empfehlen, die Ärmel auch in der Liga schleunigst hochzukrempeln.
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