München – Joshua Kimmich ist zwar gerade mal 24 Jahre alt, aber lange genug im Geschäft, um das alte Spiel zu kennen. Es gehört nach dem Weiterkommen in Pokal-Wettbewerben dazu, die lästige Frage zu beantworten: „Wen wünschen Sie sich in der nächsten Runde?“ Der Nationalspieler in Diensten des FC Bayern wollte nach dem 3:1 gegen Tottenham aber gar nicht viel über Achtelfinal-Gegner spekulieren, sondern ging gleich in die Offensive. Er sagte: „Egal, wen wir ziehen – wenn wir in normaler Verfassung sind, gehen wir als Favorit ins Spiel.“
Das ist durchaus eine mutige Aussage, wenn man bedenkt, dass die Bayern bei der Auslosung der Achtelfinal-Duelle am Montag in Nyon als Gruppenerster zwar Kalibern wie Paris St. Germain, Manchester City, Juventus Turin, dem FC Barcelona und Titelverteidiger FC Liverpool aus dem Weg gehen, in Real und Atletico Madrid aber zwei namhafte Kontrahenten im zweiten Lostopf lauern. „Ein paar gute Gruppenzweite“ gebe es auch, fügte Kimmich immerhin noch hinzu, wenngleich „die besten Mannschaften sich in der Gruppe durchgesetzt haben“.
So oder so ist es ja eigentlich müßig, vorab zu spekulieren. Es bleibt einem nichts anderes übrig als in den Partien, die zwischen 18. Februar und 18. März 2020 ausgetragen werden, frei nach Hasan Salihamidzic zu „nehmen, wer kommt“. Dass es einen auch als Gruppenbester blöd erwischen kann, wissen die Bayern aus dem Vorjahr nur allzu gut. „Damals wurden wir auch Erster, das war kein Vorteil“, erinnerte sich Kimmich. Gegen Liverpool war im Achtelfinale Endstation, während man in der Saison zuvor als Gruppenzweiter in der ersten K.o.-Runde gegen Besiktas Istanbul leichtes Spiel hatte und erst später im Halbfinale an Real Madrid scheiterte.
Auch die Auslosung der EM zuletzt hat gezeigt, dass es nicht immer ein Vorteil ist, die Vorrunde als Erster abzuschließen. Es warten Frankreich und Portugal, schlimmer geht es kaum. Die Nationalspieler in Reihen des FC Bayern hoffen also besonders, dass ihr Losglück am Montag zurückkehrt. Dann wäre zum Beispiel ein Duell mit Atlanta Bergamo möglich, zudem warten der FC Chelsea, der SSC Neapel und Leipzigs Gruppengegner Olympique Lyon. RB geht es ähnlich wie den Münchnern, sie könnten zudem aber auf Tottenham treffen. Sicher kein leichtes Los wird Borussia Dortmund zugeteilt. Womöglich steht sogar ein Rendezvous mit ihrem Ex-Trainer Jürgen Klopp an. Die Bayern können ein Lied davon singen, wie es im Achtelfinale gegen Liverpool ist. Ihr Fazit: schmerzhaft. hlr, bok, jau