München – Es brennt unterm Formel-1-Weihnachtsbaum: Die Vermarkter von Liberty rund um CEO Chase Carey und Sportchef Ross Brawn müssen die Zukunft planen – und die soll vor allen Dingen eines bescheren: klingelnde Kassen. Liberty macht sich nämlich ernsthaft Sorgen um die künftige Lukrativität der Formel 1. Deshalb planen die US-Amerikaner spektakuläre Deals – im Mittelpunkt stehen dabei der sechsmalige Champion Lewis Hamilton (34) und Ex-Weltmeister Fernando Alonso (38).
Der Spanier, der sich mit Sportwagen in Le Mans und Daytona sowie Geländewagen seinen Abschied aus der Formel 1 schönredete, will inzwischen zurück in die Königsklasse und hat Liberty um Hilfe gebeten. Bei den US-Amerikanern besteht großes Interesse, den Star mit dem großen Namen zurückzuholen. Schon im Sommer, so bestätigte Red-Bull-Chefberater Helmut Marko, fragten die neuen „Alonso-Manager“ bei Red Bull an. „Wir sagten sofort, dass es für uns kein Bedarf für Alonso gibt“, erzählt Marko. Und fügte hinzu: „Es geht auch wegen unserem Motoren-Partner Honda nicht. Wenn die nur den Namen Alonso hören, sträuben sich alle Nackenhaare.“
Der Hintergrund: Zu oft hatte Alonso in seiner McLaren-Honda-Zeit öffentlich über den Motor der Japaner gelästert. Höhepunkt: Bei Hondas Heimrennen in Suzuka 2018 ätzte der Spanier über Funk: „Ich habe einen GP2-Motor im Auto.“ Der Vergleich mit den rund 400 PS schwächeren Antriebsaggregaten der Nachwuchsklasse war zu viel für die stolzen Söhne aus dem Land der aufgehenden Sonne. Seitdem ist Alonso bei Honda unten durch.
Liberty aber gibt nicht auf. Für das Jahr 2021 arbeitet der F1-Vermarkter unbeirrt weiter an Mega-Deals mit Hamilton und Alonso. Die Idee: Hamilton soll für Ferrari fahren – und Alonso den Briten bei Mercedes ersetzen. Für die nur auf Gewinn achtenden US-Amerikaner wäre diese Konstellation quasi eine Gelddruckmaschine. Vergleichbar mit der goldenen Zeit der großen Boxkämpfe zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier.
So einfach ist es aber nicht. Ferrari und dort speziell Fiat-Chef John Elkann zeigen zwar großes Interesse an einer Verpflichtung Hamiltons als Nachfolger von Sebastian Vettel, dem kaum noch jemand in Italien zutraut, Mercedes und speziell Hamilton ernsthaft herauszufordern. Doch der Brite, grundsätzlich auch daran interessiert, bei Ferrari zum Abschluss seiner Karriere die Rekorde von Michael Schumacher zu brechen, stellt eine Bedingung, wie aus dem Umfeld des Ferrari-Stammsitzes in Maranello verlautet: Hamilton will Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit zu Ferrari bringen. Der sechsmalige Weltmeister machte in den letzten Tagen auch gar kein Geheimnis daraus, dass er seine Zukunftsplanung eng mit der von Wolff verknüpft. Das betonte er mehrmals. Der Wiener Wolff könnte sogar darauf eingehen. Denn nach dem Gewinn von sechs WM-Titeln in Folge mit Mercedes kann er dort nur noch verlieren.
Besonders, weil dort jetzt ein anderer Wind weht. Ola Källenius, seit Mai neuer Mercedes-Chef, muss sparen. Bis zu 1,3 Milliarden Euro, so verkündete der Schwede, will er in den nächsten Jahren zurückstellen, um für die E-Mobilität der Zukunft und eventuelle Strafen wegen des Dieselskandals gewappnet zu sein. Nur wenn es Wolff gelänge, ab 2021 das circa 500 Millionen teure F1-Projekt völlig über Sponsoren zu finanzieren, wäre der Schwede bereit, das Werksteam weiterzuführen. Wenn nicht, wolle er nur noch Motoren an Kunden liefern. So tönt es im Flurfunk der Konzernzentrale in Stuttgart.
Dazu passt: Wolff verpflichtete zur Sponsorensuche den Kölner Marketingfachmann Walter Mertes. Dieser war zuvor jahrelang im Vorstand der ITR, welche die DTM vermarktet. Hinzu kommt: Wolff, der auch gerne zu Liberty wechseln würde, müsste als Nachfolger von Liberty-CEO Chase Carey erst einmal drei Jahre warten. Das ist die Bedingung der F1-Vermarkter, wenn jemand aus dem inneren Zirkel der Königsklasse zu ihnen kommt. Dies aber dauert Wolff zu lange. Zu Ferrari könnte er nach einem Jahr Auszeit wechseln. In diesem Winter will der Wiener deshalb mit Ehefrau Suzie seine Zukunft planen.
Hamilton ist über alles informiert. Er weiß auch: Mercedes könnte gut mit seinem Abgang leben. 50 Millionen im Jahr inklusive Prämien soll der Brite kassieren. Das Geld könnten die Stuttgarter schon mal sparen. Alonso und der ebenfalls an einem Wechsel zu Mercedes interessierte Niederländer Max Verstappen würden für ein Drittel der Hamilton-Gage fahren, die dann – anders als im Moment – von Sponsoren getragen würde.
Marko weiß: „Wir müssen Max 2020 ein Auto bieten, mit dem er Weltmeister werden kann. Sonst ist er weg. Es werden entscheidende Wochen werden. Im Moment geht es hinter den Kulissen richtig ab.“