München – Die Eishockeysachen mussten über Nacht noch trocknen, beim Champions-League-Spiel gegen Djurgarden Stockholm waren sie durchgeschwitzt worden. Am Mittwochmittag holten Justin Schütz, 19, Dennis Lobach, 19, und John-Jason Peterka, 17, ihre Taschen dann ab. Für sie ging es nach Füssen zur Vorbereitung auf die U 20-Weltmeisterschaft, die ab Weihnachten in den tschechischen Städten Ostrava und Trinec stattfindet.
„Ich freue mich riesig auf die Weltmeisterschaft“, sagte Peterka, „es ist was Besonderes, dass wir in der A-Gruppe dabei sind – aber es tut auch weh, die Mannschaft hier jetzt zu verlassen.“
Umgekehrt ist der Trennungsschmerz noch stärker. Zuletzt hatte der EHC München schon acht verletzungs- und krankheitsbedingte Ausfälle – und gestern kam noch Maxi Kastner dazu (Oberkörperverletzung, fällt bis Jahresende aus). Wenn nun noch die drei Junioren weg sind, verbleiben vom Stamm sieben Stürmer, von denen einer der unerfahrene Bastian Eckl ist, der von U20-Bundestrainer Tobias Abstreiter nicht zur ersten Talentgarde gerechnet wird und nur auf Abruf nominiert ist. Zudem fällt das Fehlen von Schütz und Peterka wirklich ins Gewicht. Ein jeder der beiden Teenager hat bereits fünf DEL-Tore erzielt und kommt zu regelmäßiger Eiszeit – an die zwölf Minuten pro Spiel.
Nun muss Trainer Don Jackson für die nächsten beiden Spiele heute in Iserlohn (19.30 Uhr) und am Sonntag daheim gegen Mannheim (14 Uhr) eine Aufstellung basteln. Der Liga-Erste, gezwungen zur Mängelverwaltung.
„Maxi Daubner wird von seiner Verletzung zurückkehren“, sagt Jackson über den der U20 gerade entwachsenen Stürmer (vier DEL-Tore), „und auch Bobby Sanguinetti“. Der ist Verteidiger, und bei den Abwehrleuten ist der EHC fast vollständig. Er braucht Angreifer – weswegen er sich auf eine Personalie einlässt, die unter normalen Umständen kein Thema gewesen wäre: Der vertragslose Justin Shugg bekommt eine Comeback-Chance vorläufig bis Ende Januar, obwohl er seit acht Monaten auch in Folge einer Schulter-Operation kein Spiel mehr bestritten hat. Mit ihm und Daubner steht der EHC bei neun Stürmern. Er könnte auch Yannic Seidenberg nach vorne ziehen, bis vor zweieinhalb Jahren war der Routinier ein Offensivmann. Jackson erkannte in ihm ein Verteidigernaturtalent und will den Strategen nun auch auf dieser Position belassen: „Es wäre nicht gut für ihn, ihn wieder umzufunktionieren.“
Drei Angriffsreihen statt der üblichen vier bekommt Don Jackson noch zusammen. Passieren darf aber nichts mehr, denn die U 20-Leute werden erst im Januar nach München zurückkehren. Am schnellsten wären sie wieder da bei einem Ausscheiden im Viertelfinale (Spiele am 2. Januar), in allen anderen Konstellationen würde es länger dauern. Die Abstiegs-Playoffs gehen bis 4. oder 5. Januar (Best of Three), gleichermaßen sind da Halbfinals und Medaillenspiele angesetzt. Je nachdem werden die Junioren acht bis zehn DEL-Spieltage verpassen. An denen der EHC ein hartes Programm hat. Unter den kommenden sieben Gegnern sind die fünf Teams, von denen er diese Saison bezwungen wurde (Mannheim, Straubing, Augsburg, Ingolstadt, Nürnberg).
Die Härten des Spielplans. Auffällig ist, dass der EHC zweimal binnen einer Woche ein Heimspiel gegen die Adler Mannheim zu bestreiten hat. Vergangenen Sonntag, diesen Sonntag. Nicht optimal, wenn man dann noch ein Alles-oder-nichts-Match in der Champions League dazwischen hat. „Das wird ein Computerprogramm so ausgespuckt haben“, mutmaßt EHC-Kapitän Patrick Hager zur Terminierung.
Es liegen also anspruchsvolle Wochen vor dem EHC München. Don Jackson wird deswegen aber nicht unruhig. Er gab seinen drei U20-WM-Fahrern noch salbungsvolle letzte Worte mit auf den Weg in die Vorrunde mit Kanada, USA, Russland und Gastgeber Tschechien. „Ihr trefft auf Mannschaften, zu denen ihr normal aufschaut. Tut das nicht, begegnet ihnen auf gleicher Höhe, sucht eure Chance.“ Und grundsätzlich: „Blickt auf niemanden herab, Das wäre respektlos.“ Gilt auch für DEL-Spitzenreiter München. Gerade jetzt.