Bergamo – Die Fans von „La Dea“, der Göttin, waren im Jubelrausch. Der italienische Erstligist Atalanta Bergamo, mit dem bescheidenen Spitznamen und dem deutschen Verteidiger Robin Gosens, hat in der Champions League Geschichte geschrieben: Bei seiner ersten Teilnahme an der Königsklasse erreichte der Verein sofort das Achtelfinale. Zugleich sind die Italiener erst die zweite Mannschaft in der Geschichte der Champions-League, die nach drei Niederlagen zum Auftakt noch in die Runde der besten 16 gekommen ist – erstmals war das in der Saison 2002/2003 Newcastle United gelungen.
„Ich bin sprachlos“, sagte Bergamos argentinischer Kapitän Alejandro Gomez. „Das ist eine unglaubliche Leistung, ein tolles Gefühl, etwas, das in die Geschichte des Fußballs und des Clubs eingehen wird.“ Sein Trainer Gian Piero Gasperini sagte: „Wir haben gezeigt, dass unser Spielstil auch in Europa erfolgreich sein kann.“
Die Italiener waren am Mittwochabend in der Ukraine dank eines 3:0-Sieges bei Schachtjor Donezk noch von Platz vier auf zwei der Gruppe C gesprungen. Nach Toren von Timothy Castagne und Mario Pasalic erzielte Gosens in der vierten Minute der Nachspielzeit den letzten Treffer. Bergamo – Tabellensechster in der Serie A – profitierte auch von einer 1:4-Niederlage von Dinamo Zagreb gegen Manchester City, das bereits als Gruppensieger feststand.
Die Presse überbot sich mit Jubel-Schlagzeilen. „Mythische Göttin“, „Die Nacht der Wunder“ oder „Die Göttin im Olymp“ hieß es am Donnerstag. Der „Corriere dello Sport“ schrieb: „Wo die Millionen nicht genügen, siegen die Ideen. Atalanta ist Ausdruck eines Fußballs, der Freude macht.“ Der Flughafen der norditalienischen Stadt bei Mailand wurde in der Nacht zu einer Stadionkurve umfunktioniert.
Auch im Zentrum lagen sich Fans bis tief in die Nacht in den Armen. „Eines Tages werden unsere Enkel noch von dieser Nacht erzählen“, zitieren Medien einen Feiernden. Der Bürgermeister der Stadt mit rund 120 000 Einwohnern sprach von einem Ergebnis, „das vor einigen Jahren noch undenkbar war“. Wie immer es weitergehe, „es ist historisch“, schrieb Giorgio Gori auf Facebook.
Selbst die Konkurrenz zollte Respekt. Man müsse sich an ihnen ein Beispiel nehmen, sagte der Torwart von Rekordmeister Juventus Turin, Gianluigi Buffon, nach dem eigenen Einzug ins Achtelfinale. dpa/sid