Im Turbomodus

von Redaktion

Alphonso Davies überzeugt beim FC Bayern als Linksverteidiger – und macht Alaba Konkurrenz

VON MANUEL BONKE UND HANNA RAIF

München – In dieser Form stoppt Alphonso Davies jeden. Es lief die 72. Spielminute im Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Tottenham, als Heung-min Son alleine auf Manuel Neuers Tor zulief. Dann aber zündete Davies am Mittelkreis den Turbo, holte den Stürmer nach knapp 20 Metern auf Höhe der Sechzehner-Linie ein und verhinderte so das mögliche Tor zum 2:3. Das Stadion jubelte – und es staunte auch über diesen 19-jährigen Kanadier, der die Fans in München auf einmal verzückt.

Hinterher schlug der Nachwuchsspieler Joshua Zirkzee, ein Kumpel Davies’, der gegen Tottenham für drei Minuten eingewechselt wurde, auf Instagram vor, Davies aufgrund seines Sprints künftig Usain Bolt zu nennen. Kapitän Manuel Neuer bemerkte: „Er hat seine Rolle sehr gut angenommen, das Vertrauen bekommen. Dadurch, dass der eine oder andere fehlt, brauchen wir ihn. Er bringt Stabilität und Aggressivität nach vorne mit, das ist wichtig für unser Spiel.“ Und auch Trainer Hansi Flick schwärmte: „Was er im Moment spielt, ist einfach klasse. Man sieht, was er mit seiner Schnelligkeit und seiner Physis in der Defensive alles wettmachen kann. Da tut er uns wirklich im Moment sehr, sehr gut.“

In dieser Form ist Davies als Linksverteidiger nicht mehr wegzudenken aus der Bayern-Elf. In der Rückrunde steht daher wohl ein interessantes Stammplatz-Duell mit David Alaba an. Denn die Verantwortlichen in München rechnen zeitnah mit einer Rückkehr von Lucas Hernandez (Innenbandriss). Dann ist eine Position in der Abwehrmitte wieder dauerhaft besetzt und Aushilfs-Innenverteidiger Alaba könnte wieder nach links rücken. Dort wartet nun aber Davies und bittet zum Positionskampf. Läuft Davies Alaba den Rang ab?

In den vergangenen Jahren schien es so, als sei Alaba auf Dauer nicht als Linksverteidiger zu ersetzen, doch jetzt ist mit Davies ein neuer Hoffnungsträger auf links kreiert worden. Einen Zwist mit seinem österreichischen Kumpel erwartet Davies nicht, wie er jüngst verriet: „Der David ist mir doch nicht böse. Es ist ein ganz normaler Konkurrenzkampf.“

Interessant: Als die Bayern-Verantwortlichen um Sportdirektor Hasan Salihamidzic im Jahr 2017 in den Poker um den Kanadier mit einstiegen, überzeugten sie ihn mit einem detaillierten Fünfjahres-Plan – in dem sicherlich auch die Umschulung vom Offensivspieler zum Linksverteidiger eine Rolle spielte. „Es waren realistische Ziele. Sie haben ihn nicht verarscht“, sagt Davies’ damaliger Trainer Carl Robinson gegenüber „The Athletic“. Robinson weiter: „Es gab überhaupt keinen Zweifel daran, dass er das Angebot annehmen würde. Ich habe ihm auch gesagt, dass er keine bessere Möglichkeit bekommen wird.“ Schon unter Ex-Trainer Niko Kovac war Davies nahe an der Startelf dran, unter Flick dreht er nun so richtig auf. Das hat auch damit zu tun, dass er in seinem ersten Jahr in München gereift und erwachsener geworden ist. Auf dem Platz wirkt er weniger verspielt als noch zu Beginn seiner Zeit in München. Der Lohn ist aktuell ein Stammplatz als Linksverteidiger.

Artikel 1 von 11