München – Von der Nummer zwei zur Nummer eins, zurück und wieder zurück – Marco Hillers Zeit bei den Löwen-Profis ist das sprichwörtliche Wechselbad der Gefühle. Seit der Partie gegen Viktoria Köln (4:2) steht der Aufstiegs-Keeper wieder im Kasten. Wir sprachen mit Hiller, 22, über Enttäuschungen, Erwartungen und seinen Weihnachtswunsch.
Herr Hiller, wie tief sitzt der Stachel des nicht gewonnenen Großaspach-Spiels?
Im ersten Moment war’s natürlich ärgerlich, dass wir trotz Überzahl und Führung nur einen Punkt mitgenommen haben, aber wir haben das aufgearbeitet, ganz genau analysiert, und wissen, was wir draus lernen müssen.
Was genau gibt’s zu lernen?
Das hat uns der Trainer im Detail erklärt und es soll intern bleiben. Was ich sagen kann: Es reicht nicht, die Dinge nur oberflächlich zu analysieren, sich auf Kampf und Aggressivität zu beschränken. Wir haben von Anfang an kein gutes Spiel gemacht, weder in Gleichzahl noch in Überzahl.
Der neue Trainer, Michael Köllner, ist jetzt einen Monat im Amt. Welche Unterschiede zu Daniel Bierofka stellen Sie fest?
Das sind ganz verschiedene Typen und wirklich sehr schwer zu vergleichen.
Ein Versuch?
Für mich als Torhüter ist Harry Huber (Torwarttrainer, d. Red.) derjenige, mit dem ich auf dem Platz viel zu tun habe, in dieser Beziehung ging es für mich ja unverändert weiter. Mit Michael Köllner hatte ich bislang nur positive Erfahrungen. Man kann gut mit ihm reden, er redet mit allen Spielern und geht auf die jungen Spieler ein. Wir haben den Wechsel als Mannschaft gut hinbekommen.
Fühlen Sie sich als Gewinner des Trainerwechsels?
Nein. Henne (Hendrik Bonmann, d. Red.) hatte sich verletzt, ich hab gespielt, wir haben gegen Viktoria Köln gewonnen und danach in Halle. Mein Selbstvertrauen hat gepasst, ich hab mir nichts zuschulden kommen lassen.
Auch eine Folge des Totopokal-Elfmeterschießens gegen Haching?
Ja, den Rückenwind hab ich natürlich noch gespürt (breites Lächeln). Drei gehaltene Elfer – das hatte ich bis dahin auch noch nicht. Im Nachhinein war’s die perfekte Vorbereitung auf den Ernstfall in der Liga.
Wie wichtig ist der Stammplatz mit Blick auf Ihren auslaufenden Vertrag?
Natürlich ist es wichtig, zu spielen. Mal sehen, wie es nach der Winterpause weitergeht. Über den Vertrag mach ich mir jetzt noch keinen großen Kopf. Mein Vorsatz ist es, dem Trainer keinen Grund für einen Wechsel zu geben.
Kann es sein, dass Sie bei Rückpässen inzwischen weniger gestresst sind?
Ja, ich denke schon, dass ich da ruhiger geworden bin. Wir trainieren das gezielt und je mehr Spiele ich mache, desto sicherer werd ich. In der Regionalliga hattest du Zeit als Torwart, in der Dritten Liga lässt dich keine Mannschaft das Spiel aufbauen, du wirst als Torwart permanent angelaufen. Das ist ein Riesen-Unterschied. Ein Zitterfuß ist da brandgefährlich.
Wie hart wird’s am Montag in Ingolstadt?
Auch wenn sehr viele Löwenfans im Stadion sein werden – das wird richtig knackig. Ingolstadt hat eine sehr gute Mannschaft, die sind nicht umsonst seit neun Spielen ungeschlagen. Aber wir haben jetzt zweimal auswärts gewonnen, in Halle und in Haching. Wenn wir an die Leistungen anknüpfen können, dann ist auch am Montag alles drin.
Ihr Weihnachtswunsch?
Sechs Punkte! Dann können wir mit einem richtig guten Gefühl in die Pause gehen.
Interview: Ludwig Krammer