München – Colton Iverson, der 2,12 Meter große Center von Zenit Sankt Petersburg, bekam den Ball in der Mitte des zweiten Viertels völlig freistehend unter dem Korb und setzte zum Flug an: Statt einem krachenden Dunk sorgten die herangeeilten Mathias Lessort und Joshua Huestis jedoch gemeinsam mit einem Block für eine Bruchlandung des Centers.
Im Anschluss sicherte sich Spielmacher Maodo Lo den Ball, spielte gedankenschnell in den Lauf von Vladimir Lucic, der die Münchner per einfachem Korbleger vier Punkte in Front brachte. Die Szene verdeutlichte zum einen, dass die Basketballer des FC Bayern die Vorgabe von Coach Dejan Radonjic umsetzten, der vor dem Spiel forderte sich „um die Dinge zu kümmern, die wir kontrollieren können, das sind speziell unsere Defensive und der Rebound.“
Die starke Verteidigung war der Schlüssel zum 77:69 (37:35)-Sieg der Basketballer des FC Bayern am Freitag. Zum anderen tauchte in der Situation mit Huestis ein Spieler auf, der erstmals für die Münchner auf dem Parkett stand. Der Neuzugang kehrte von seiner langwierigen Verletzung zurück und zeigte gleich, dass er seinen Ruf als Defensivspezialist nicht zu unrecht genießt. Die bissige Verteidigung des FCBB ermöglichte den Gästen gleich zu Beginn der Partie kaum offene Würfe und erlaubte den Russen im ersten Viertel lediglich 15 Punkte.
Das Manko? Die Münchner selbst erzielten sogar nur 14 Punkte. Mit zunehmender Spieldauer bekamen die Mannen um Kapitän Danilo Barthel das Problem jedoch besser in den Griff – die anfänglichen Abstimmungsprobleme wurden seltener, der Ball lief sicherer durch die eigenen Reihe und somit agierten die Münchner in der Offensive auch deutlich variabler. Beim Wiedersehen mit Alex Renfroe, der in 49 Bundesligaspielen für den FCBB auflief, zeigten die Hausherren eine deutliche Steigerung zu den herben Klatschen in Istanbul und Tel Aviv. Eben jener Renfroe sorgte mit dem Buzzer-Beater zur Halbzeit „vom Parkplatz“, wie es im Basketball-Jargon bei Würfen jenseits der Dreier-Linie so schön heißt, für ein Highlight der Partie. Schwungvoller aus der Halbzeit kamen dann aber die Münchner, die die Partie fortan dominierten. Mit einem Vorsprung von elf Zählern starteten die Bayern in das entscheidende Viertel und ließen gegen die Mannschaft von Coach Joan Plaza nichts mehr anbrennen.
Die starken Leistungen von Renfroe (18 Punkte) und Tim Abromaitis konterte der FCBB gleich fünffach: Der Scharfschütze Petteri Koponen (11), Center Greg Monroe (12), Lucic (17), Lo (11) und Flaccadori (11) punkteten allesamt zweistellig. Durch den Erfolg über Petersburg, Schlusslicht in der europäischen Königsklasse, stehen die Münchner nun bei einer Bilanz von fünf Siegen und acht Niederlagen. Nächste Woche stehen zwei schwere Spiele in der Euroleague an: Mittwoch gastiert der Rivale Alba Berlin im Audi Dome, am Freitag empfängt man das Schwergewicht Barcelona. Die Defensive wird dann gewiss wieder gefragt sein.
Neuzugang und Defensivspezialist Josh Huestis gibt sein Debüt