Der ganz große Wurf ist nicht gelungen. Von den sieben deutschen Bundesligisten, die sich auf der europäischen Fußballbühne präsentieren, überwintern „nur“ sechs Vertreter im internationalen Geschäft. Dass mit Borussia Mönchengladbach ausgerechnet der Tabellenführer der deutschen Eliteliga die Segel streichen muss, trübt die Bilanz jedoch gehörig. Auch noch in einer durchaus machbaren Gruppe mit Wolfsberg, Istanbul Basaksehir und dem AS Rom. Aus den europäischen Top-5-Ligen ist jeder Tabellenführer weitergekommen – bis auf den deutschen Spitzenreiter.
Doch die deutsche Zwischenbilanz weist auch Positives auf: Vorbei scheinen die Zeiten, in denen die Europa League als notwendiges Übel behandelt wurde und sogar die DFL Hertha BSC, Hoffenheim und den 1. Köln ermahnen musste, den Wettbewerb ernst zu nehmen. Der Frankfurter Durchmarsch letztes Jahr bis ins Halbfinale hat vorgeführt, was für eine Euphorie auch der kleine Bruder der Champions League auslösen kann. Wobei die Hessen dieses Jahr noch nicht an europäische Galaabende anknüpfen konnten und mit einem blauen Auge europäisch bleiben.
In der Königsklasse fällt die Bilanz ähnlich durwachsen aus. Die Bayern zeigten die stärkste Gruppenphase der CL-Geschichte. RB Leipzig spielte auswärts stark. Zu Hause ausbaufähig, aber zog letztlich souverän ins Achtelfinale ein. Dorthin schaffte es der BVB nur mit Glück und Schützenhilfe aus Barcelona. Die Dortmunder enttäuschten, gemessen an den eigenen Ambitionen. In Leverkusen hatte man sich – trotz der Brocken Juventus Turin und Atlético Madrid – insgeheim wohl mehr versprochen. Immerhin darf Bayer als Dritter in die Europa League absteigen.
Derweil wird besonders die Champions League zur geschlossenen Gesellschaft. Ausschließlich Klubs aus den Top-5-Ligen Europas haben das Achtelfinale erreicht. Außenseiter aus Holland, Portugal oder der Türkei? Passé. Noch spielt die Bundesliga mit im Konzert der europäischen Spitzenklasse. Aber kann sie auch wirklich den Ton angeben? Zweifel und Hoffnung ringen miteinander. Die Liga hat in Europa bisher beide Gesichter gezeigt. Urteil vertagt auf das Frühjahr 2020.
Daniel.Mueksch@ovb.net