München – Wäre rund um das 6:1 des FC Bayern ein Preis für das beste Outfit verliehen worden, stünde der Sieger außer Frage. Jerome Boateng verließ die Arena von Kopf bis Zehenspitze bestens gestylt. Auf der Nase eine markante Brille aus eigener Kollektion, am Leib einen Pullover in der Modefarbe „Lachs“, in der Hand ein proteinhaltiger Drink und am Fuß ein trendiger Sneaker. Man muss allerdings zur Verteidigung all seiner Teamkollegen sagen, die nach ihm aus dem Kabinengang schlenderten: Boateng hatte 45 Minuten mehr Zeit als die meisten, um sich in Schale zu werfen.
Ja, der Arbeitstag des 31-Jährigen hatte ein frühes Ende genommen. Gelb-Rot gefährdet musste Boateng den Platz ausgerechnet in seinem 300. Pflichtspiel für den FC Bayern zur Halbzeit verlassen. 2:1 hatte es da gestanden, und sieht man es positiv, kann man herausstellen, dass Boateng die beiden Treffer der Bayern als Vor-Vor-Vor-Passgeber eingeleitet hatte. Sieht man es allerdings negativ, bleibt eher die Szene im Gedächtnis, in der er den Bremer Milot Rashica davoneilen ließ, umkurvt wurde und beim Gegentreffer hilf- wie orientierungslos wirkte.
Nach einem 6:1-Erfolg Kritik zu üben, fiel den Beteiligten trotzdem schwer. Hasan Salihamidzic wollte Boateng explizit „keinen Vorwurf“ machen, sondern verwies auf die Fähigkeiten des flinken Bremers Rashica. David Alaba sagte: „So etwas kommt vor.“ Tatsächlich hatten die Gäste von der Weser immer wieder über ihren Stürmer Konter eingeleitet, die die hoch stehenden und offensiv pressenden Bayern schlecht verteidigten. „Sie hätten auch das 2:0 machen können“, sagte Salihamidzic über die Szenen, in denen vor allem Boateng an seine Grenzen gekommen war. Allein gelassen, aber auch einfach nicht mehr ganz so schnell wie zu besten Weltmeister-Zeiten. Ohne Lucas Hernandez und Niklas Süle ist die Bayern-Innenverteidigung für solche Aktionen nicht gemacht.
Dass es nach der Pause besser lief, lag bestimmt nicht nur an Boatengs Auswechslung und der Umstellung auf das Duo Benjamin Pavard/David Alaba im Zentrum. Trotzdem war der Mann, dessen Beziehung zum FC Bayern schon seit geraumer Zeit eine komische ist, der einzige kleine Buhmann des Tages. Wenn Hernandez im neuen Jahr zurückkehrt, wird Boateng trotz aller Wertschätzung seitens Hansi Flick wohl ins zweite Glied zurückkehren. Denn in Champions-League-K.o.-Spielen ab dem Frühling warten dann doch noch andere Kaliber als Milot Rashica. hlr, bok